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TCM in der Schweiz

Dauernadeln: Die Akupunktur, die bleibt

Normale Akupunkturnadeln wirken 30 Minuten, Dauernadeln mehrere Tage. Was hinter den winzigen Permanentnadeln steckt, für wen sie sich eignen und worauf es bei Sicherheit und Pflege ankommt.

Corinna Reinhart 9 Min. Lesezeit Aktualisiert August 2026 Geprüft durch Corinna Reinhart

Was Dauernadeln sind

Dauernadeln, auch Dauerakupunkturnadeln genannt, sind sterile Einwegnadeln von etwa einem bis zwei Millimetern Länge. Sie werden mit einem kleinen hautfarbenen Pflaster auf der Haut fixiert und bleiben dort mehrere Tage. Fast immer sitzen sie im Ohr, weil die Ohrmuschel gut zugänglich ist, wenig stört und in der Ohrakupunktur eine eigene Punktesystematik hat. Wie wir sie in der Praxis einsetzen, liest du auf unserer Seite zu Akupunktur mit Dauernadeln.

Der Unterschied zur normalen Akupunktur: Statt eines starken Reizes über 20 bis 30 Minuten in der Praxis geben Dauernadeln einen schwachen, aber kontinuierlichen Reiz über Tage ab. Jedes Mal, wenn du das Pflaster berührst oder leicht darauf drückst, verstärkst du den Reiz kurz. Genau das wird therapeutisch genutzt, etwa bei Rauchverlangen oder Heisshunger: Impuls spüren, kurz auf die Nadel drücken, Impuls abklingen lassen.

Der Gedanke dahinter: Die Behandlung endet nicht an der Praxistür. Zwischen den Sitzungen, wenn das Verlangen nach der Zigarette kommt, der Heisshunger, die Anspannung oder der Schmerz, ist der Punkt bereits gesetzt, und ein kurzer Fingerdruck aktiviert ihn. Dauernadeln sind damit weniger eine eigene Therapieform als ein Verlängerungswerkzeug der Ohrakupunktur, eingesetzt dort, wo eine kontinuierliche Stimulation gewünscht ist.

Wie lange dürfen Dauernadeln drin bleiben?

Drei bis sieben Tage, je nach Absprache mit deiner Therapeutin. Spätestens nach sieben Tagen müssen sie raus. Die Haut am Ohr ist dünn und gut durchblutet, und je länger ein Fremdkörper in der Haut sitzt, desto höher das Risiko für Reizungen und Infektionen.

Ein paar Alltagsregeln für die Tragezeit: Duschen und Haare waschen sind kein Problem, danach die Stelle vorsichtig trocken tupfen. Schwimmbad, Sauna und Dampfbad solltest du meiden, feuchtwarmes Klima und Chlorwasser reizen die Einstichstelle. Nicht an der Nadel kratzen oder herumdrehen. Wenn sich ein Pflaster von selbst löst und die Nadel herausfällt, ist das harmlos: Nadel nicht wieder einsetzen, Stelle kurz desinfizieren, fertig.

Ohr-Dauernadeln: die häufigste Form

Die Ohrakupunktur behandelt über Punkte an der Ohrmuschel. Für Dauernadeln ist das Ohr ideal: Die Punkte sind klein und präzise, die Nadeln stören weder beim Schlafen noch bei der Arbeit, und du erreichst sie jederzeit selbst mit dem Finger. Die Ohrmuschel funktioniert dabei wie eine Landkarte: Auf kleinstem Raum liegen Punkte, die verschiedenen Körperregionen und Funktionen zugeordnet werden. In ihrer heutigen Form geht diese Aurikulotherapie massgeblich auf den französischen Arzt Paul Nogier zurück und wurde später mit der chinesischen Tradition verbunden.

So läuft das Setzen ab. Nach dem Befund wählt die Therapeutin zwei bis fünf Punkte pro Ohr, desinfiziert die Haut und setzt die Nadeln mit einem Applikator. Der Einstich ist ein kurzer Pikser, danach spüren die meisten nur noch ein leichtes Druckgefühl oder gar nichts. Mit Punktauswahl dauert das kaum 15 Minuten, und häufig wird es mit einer regulären Körperakupunktur kombiniert: Die Sitzung behandelt das Grundmuster, die Dauernadeln halten die Stimulation bis zum nächsten Termin. Nach drei bis sieben Tagen kommen sie raus, die Haut bekommt ein paar Tage Pause, dann kann neu gesetzt werden.

Typische Einsatzgebiete, bei denen ein Dauerreiz sinnvoll ist:

  • Raucherentwöhnung: Der bekannteste Einsatz. Die Studienlage ist hier durchzogen, ein Cochrane-Review zu Akupunktur und verwandten Verfahren bei der Raucherentwöhnung fand keine verlässlichen Belege für eine Langzeitwirkung (White et al., Cochrane 2014). Viele Patientinnen und Patienten berichten trotzdem, dass das Drücken auf die Nadel akutes Rauchverlangen abfedert. Wir sagen dir das ehrlich: Die Nadel ersetzt deine Entscheidung nicht, sie kann sie unterstützen.
  • Gewichtsmanagement: Ähnliches Prinzip bei Heisshunger, ergänzend zu Ernährung und Bewegung, nicht als Ersatz.
  • Stress und innere Unruhe: Beruhigende Ohrpunkte, die du in angespannten Momenten selbst aktivieren kannst.
  • Schmerzbehandlung: Als Verlängerung zwischen zwei Akupunktursitzungen, damit der Reiz nicht nach der Praxis endet, etwa bei Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen.

Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt, ist das NADA-Protokoll: eine standardisierte Kombination von fünf Ohrpunkten, die aus der Suchtbehandlung stammt und international auch bei Unruhe- und Belastungszuständen eingesetzt wird. Wir nennen sie hier, weil danach häufig gefragt wird, nicht als Wirksamkeitsversprechen.

Wo Dauernadeln am Körper gesetzt werden

Neben dem Ohr werden Dauernadeln an Körperpunkten gesetzt, zum Beispiel am Rücken bei wiederkehrenden Verspannungen, an den Schultern oder in der Nähe eines schmerzenden Gelenks. Welche Punkte sinnvoll sind, hängt von deiner Beschwerde ab und wird individuell festgelegt. An Stellen, die im Alltag stark bewegt werden, halten die Nadeln kürzer. Wer keine Nadeln möchte, findet mit Ear Seeds eine nadelfreie Alternative, die über Druck statt über eine Nadel wirkt.

Darf ich Dauernadeln selber entfernen?

Ja, das ist ausdrücklich erlaubt und einfach. So gehst du vor: Hände gründlich waschen. Pflaster mitsamt Nadel langsam abziehen, die winzige Nadel bleibt am Pflaster kleben und kommt automatisch mit. Kurz kontrollieren, dass die Nadel wirklich am Pflaster hängt. Einstichstelle mit einem Desinfektionsmittel abtupfen. Pflaster mit Nadel im Hausmüll entsorgen, am besten in ein Stück Papier gewickelt.

Sofort entfernen solltest du sie, ohne auf den Termin zu warten, wenn die Stelle zunehmend schmerzt, stark juckt, anschwillt, nässt oder gerötet ist. Dann raus mit der Nadel, desinfizieren, und wenn die Reizung nicht innert ein bis zwei Tagen abklingt, ärztlich anschauen lassen. Was du nicht tun solltest: eine herausgefallene oder entfernte Nadel wieder einsetzen. Einwegmaterial bleibt Einwegmaterial.

Risiken und Nebenwirkungen

Dauernadeln sind bei sauberer Anwendung sicher. Akupunktur durch ausgebildete Fachpersonen zeigt in grossen prospektiven Untersuchungen (MacPherson et al. 2001, White et al. 2001, je über 30'000 Behandlungen) keine schwerwiegenden Zwischenfälle. Weil Dauernadeln aber tagelang in der Haut bleiben, gelten ein paar Besonderheiten:

  • Lokale Hautreizung: Die häufigste Nebenwirkung. Leichte Rötung oder Druckempfindlichkeit am ersten Tag ist normal und verschwindet von selbst.
  • Infektion der Einstichstelle: Selten, aber der Hauptgrund für die Sieben-Tage-Grenze und die Hygieneregeln. Zeichen: zunehmender Schmerz, Schwellung, Überwärmung, Eiter. In dem Fall Nadel raus und ärztlich abklären.
  • Pflasterallergie: Manche Menschen reagieren auf den Kleber. Juckt es grossflächig unter dem Pflaster, entfernen und beim nächsten Termin ein anderes Fixiermaterial besprechen.

Nicht geeignet sind Dauernadeln bei geschwächtem Immunsystem, bei Neigung zu Wundheilungsstörungen, bei Hauterkrankungen am Ohr und in der Regel während einer Chemotherapie. Bei Blutverdünnern und in der Schwangerschaft entscheidet die Therapeutin im Einzelfall. Sag uns deshalb immer, welche Medikamente du nimmst und ob du schwanger bist. Ein praktischer Hinweis noch: Vor einem MRI müssen Dauernadeln raus, sie bestehen aus Metall. Melde geplante Untersuchungen einfach vorher.

Was die Studienlage zeigt

Dauernadeln sind eine Form der Akupunktur, deshalb lohnt ein Blick auf die Forschung zur Akupunktur allgemein. In einer grossen Auswertung von Einzeldaten aus randomisierten Studien schnitt Akupunktur bei chronischen Schmerzen besser ab als keine Behandlung und besser als eine Scheinbehandlung; der Unterschied zur Scheinakupunktur war allerdings eher klein (Vickers et al., 2018). Für chronische, unspezifische Rückenschmerzen fand eine Cochrane-Übersicht kurzfristig einen kleinen Effekt auf Schmerz und Beweglichkeit gegenüber keiner Behandlung, bei allerdings begrenzter Sicherheit der Evidenz (Mu et al., Cochrane 2020). Für die Vorbeugung von Migräne fand eine Cochrane-Übersicht, dass Akupunktur die Anfallshäufigkeit senken kann (Linde et al., Cochrane 2016). Speziell zu Dauernadeln ist die Studienlage dünn, die meisten Studien untersuchen die klassische Akupunktur. Ehrlich gesagt: Akupunktur kann bei manchen Beschwerden unterstützen, ein sicheres Ergebnis oder gar eine Heilung lässt sich daraus nicht ableiten.

Dauernadeln oder normale Sitzung?

Beides sind keine Alternativen, sondern Ergänzungen. Die Basis bleibt die reguläre Akupunktursitzung mit Diagnostik, Punktauswahl und 20 bis 30 Minuten Liegezeit. Wie lange Nadeln in einer normalen Sitzung liegen bleiben und wovon das abhängt, liest du im Artikel Wie lange bleiben Akupunkturnadeln drin? Dauernadeln hängen wir dort an, wo ein Reiz über die Woche hinweg Sinn ergibt.

Dauernadeln bei TCM.ch

Unsere Therapeutinnen und Therapeuten setzen Dauernadeln dort ein, wo eine kontinuierliche Stimulation den Unterschied macht, eingebettet in einen Behandlungsplan, der auch erklärt, was die Nadeln nicht leisten. Im Erstgespräch klären wir Einsatz, Tragedauer und Pflege, und du bekommst die Regeln schriftlich mit. Termine an 14 Standorten in der Deutschschweiz, in der Regel innert 24 bis 48 Stunden.

Kosten und Krankenkasse

Dauernadeln werden im Rahmen einer Akupunkturbehandlung gesetzt. Bei EMR- oder ASCA-anerkannten Therapeutinnen beteiligen sich viele Zusatzversicherungen mit 80 bis 100 Prozent, die Grundversicherung deckt es nicht. Prüfe am besten vorab deine Police oder frag uns, wir sagen dir, worauf du achten solltest. Wie die Abrechnung über die Zusatzversicherung läuft, liest du auf unserer Seite zur Krankenkasse.

Verfasst von Corinna Reinhart, dipl. TCM-Therapeutin mit EMR- und ASCA-Anerkennung.

Dauernadeln in der Praxis besprechen?

Schildere uns kurz deine Situation – wir sagen dir ehrlich, ob und wie Akupunktur bei dir sinnvoll ist.

Häufige Fragen

Wie lange darf man Dauernadeln drin lassen?

Drei bis sieben Tage, spätestens nach einer Woche müssen sie raus. Je länger eine Nadel in der Haut bleibt, desto höher das Risiko für Reizungen und Infektionen an der Einstichstelle. Die genaue Tragedauer besprichst du mit deiner Therapeutin.

Kann ich Dauernadeln selber entfernen?

Ja. Hände waschen, Pflaster samt Nadel langsam abziehen, die Nadel bleibt am Pflaster kleben. Danach die Stelle desinfizieren und das Pflaster im Hausmüll entsorgen. Entferne die Nadeln sofort, wenn die Stelle schmerzt, anschwillt oder nässt.

Darf ich mit Dauernadeln duschen?

Ja, Duschen und Haarewaschen sind erlaubt. Tupfe die Stelle danach vorsichtig trocken. Schwimmbad, Sauna und Dampfbad solltest du während der Tragezeit meiden, weil feuchtwarmes Klima und Chlorwasser die Einstichstelle reizen können.

Tun Dauernadeln weh?

Das Setzen spürst du als kurzen Piks, danach sind die Nadeln im Alltag kaum wahrnehmbar. Ein leichtes Druckgefühl am ersten Tag ist normal. Schmerzt eine Stelle zunehmend oder pocht sie, entferne die Nadel und melde dich bei uns.

Helfen Dauernadeln beim Rauchstopp?

Die Studienlage ist durchzogen, ein Cochrane-Review fand keine verlässlichen Belege für eine Langzeitwirkung. Viele berichten aber, dass Drücken auf die Ohrnadel akutes Rauchverlangen abfedert. Dauernadeln können deinen Rauchstopp unterstützen, ersetzen ihn aber nicht.

Was passiert, wenn eine Dauernadel herausfällt?

Nichts Schlimmes. Kontrolliere, dass die Nadel am Pflaster hängt, desinfiziere die Stelle und entsorge das Pflaster. Setze die Nadel nicht wieder ein. Beim nächsten Termin kann die Therapeutin bei Bedarf eine neue Nadel setzen.

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