Akne inversa, medizinisch Hidradenitis suppurativa, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haarfollikel in Achseln, Leisten, Genitalbereich, Gesässfalte und unter den Brüsten. Sie beginnt meist nach der Pubertät, ist nicht ansteckend und nicht Folge mangelnder Hygiene. Früh erkannt lässt sie sich mit Medikamenten kontrollieren; fortgeschrittene Verläufe brauchen oft Operationen.
Was ist Akne inversa?
Akne inversa (Hidradenitis suppurativa, HS) ist eine chronische Entzündung der Haarfollikel in Hautregionen mit Duftdrüsen: Achseln, Leisten, Genitalbereich, Gesässfalte, Innenseiten der Oberschenkel und Unterbrustfalten. Verstopfte Follikel reissen ein, es entstehen tiefe, schmerzhafte Knoten, Abszesse, Gänge unter der Haut und Narben. Etwa eine von hundert Personen ist betroffen, Frauen häufiger als Männer.
Trotz des Namens ist Akne inversa keine Form der gewöhnlichen Akne und kein einzelner Abszess oder eingewachsenes Haar. Verwechslungen sind häufig und verzögern die Diagnose oft um Jahre.
Typische Beschwerden
- schmerzhafte, erbsen- bis pflaumengrosse Knoten in Achseln, Leisten, am Gesäss oder unter den Brüsten, die wiederkehren
- Mitesser, oft paarweise, und eiternde Knoten, die aufbrechen und übelriechend nässen
- Gänge unter der Haut (Fisteln), die an der Oberfläche aufbrechen
- Vernarbung, verhärtete Haut und Bewegungseinschränkung in fortgeschrittenen Stadien
- Schübe vor der Menstruation, grosse Belastung von Schlaf, Beruf und Partnerschaft; Depressionen und Ängste sind häufig
Ursachen
Ausgangspunkt ist eine Verstopfung des Haarfollikels mit nachfolgender überschiessender Entzündungsreaktion. Veranlagung spielt mit: Bei etwa einem Drittel ist ein Familienmitglied betroffen. Rauchen und Übergewicht sind stark mit der Erkrankung verbunden und verschlimmern sie. Hormone beeinflussen den Verlauf; Beginn nach der Pubertät und Schübe vor der Periode sind typisch. Begleiterkrankungen wie metabolisches Syndrom, Diabetes, PCOS und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen kommen gehäuft vor. Akne inversa ist nicht ansteckend und nicht durch mangelnde Hygiene verursacht.
Wie wird abgeklärt?
Es gibt keinen Labortest. Die Diagnose stellt die Ärztin oder Dermatologin anhand des Hautbilds, der typischen Stellen und der wiederkehrenden Schübe. Ein Abstrich aus einem entzündeten Knoten hilft, eine bakterielle Infektion zu erkennen; typischerweise finden sich keine klassischen Infektionserreger. Der Schweregrad wird in Stadien eingeteilt und bestimmt die Behandlung. Eine frühe Vorstellung in der Dermatologie ist wichtig, weil sich Narben und Fisteln nicht mehr zurückbilden.
Wie wird behandelt?
- Antiseptische Waschlösungen täglich, zusätzlich zu anderen Massnahmen
- Antibiotika: kurze Kur bei bakterieller Infektion; über mindestens drei Monate in niedriger Dosis gegen die Entzündung, etwa Tetracycline, bei schweren Verläufen Clindamycin mit Rifampicin
- Hormonelle Behandlung bei Schüben vor der Periode, Retinoide wie Acitretin in ausgewählten Fällen, immer dermatologisch verordnet
- Biologika (zum Beispiel Adalimumab) bei mittelschweren bis schweren Verläufen, wenn andere Behandlungen nicht genügen
- Operationen: Eröffnen von Abszessen zur Entlastung, Aufschneiden von Gängen, Laserbehandlung oder grossflächige Entfernung betroffener Haut bei wiederkehrenden Herden; dauerhafte Haarentfernung per Laser in frühen Stadien
- Schmerztherapie und Behandlung der Begleiterkrankungen
- Selbst beitragen: Rauchstopp, Gewichtsreduktion, lockere Kleidung, Reibung und Hitze meiden, Knoten nicht ausdrücken
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei Akne inversa haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Sie heilt die Erkrankung nicht und ersetzt weder Antibiotika noch Biologika noch Operationen. In entzündete Haut, Knoten oder Fistelbereiche wird nicht genadelt. Nach der dermatologischen Einordnung kann ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung oder bei begleitenden Beschwerden wie Schlafstörung besprochen werden, abgestimmt mit dem behandelnden Team.
Wann zeitnah abklären?
- rasch wachsender, sehr schmerzhafter, heisser Knoten oder Fieber und Krankheitsgefühl (Abszess, Infektion)
- wiederkehrende «Furunkel» in Achseln, Leisten oder am Gesäss, auch wenn sie von selbst aufgehen
- neue Knoten oder Gänge trotz laufender Behandlung
- Herde im Genital- oder Analbereich mit Durchfall oder Bauchschmerzen (Abklärung auf Morbus Crohn)
- Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit wegen der Erkrankung; Hilfe ist Teil der Behandlung
Nächster Schritt
Lass wiederkehrende schmerzhafte Knoten in Hautfalten frühzeitig dermatologisch abklären; je früher die Behandlung beginnt, desto eher lassen sich Narben und Fisteln verhindern. Wenn deine Behandlung steht und du ergänzend Unterstützung bei Schmerzen suchst, hilft der Praxisfinder.
Häufige Fragen
Ist Akne inversa dasselbe wie gewöhnliche Akne?
Nein. Gewöhnliche Akne betrifft Talgdrüsen vor allem im Gesicht und am Rücken. Akne inversa ist eine chronische Entzündung der Haarfollikel in Hautfalten mit tiefen Knoten, Abszessen, Gängen und Narben und wird anders behandelt.
Ist sie ansteckend?
Nein. Akne inversa ist eine entzündliche Erkrankung mit erblicher Veranlagung und keine Infektion. Sie wird nicht durch Kontakt übertragen und ist nicht Folge mangelnder Hygiene.
Wann sollte ich zur Dermatologie?
Sobald schmerzhafte Knoten in Achseln, Leisten, am Gesäss oder unter den Brüsten wiederkehren. Frühe Behandlung kann Schübe reduzieren und Narbenbildung verhindern; fortgeschrittene Stadien sind schwieriger zu behandeln.
