Was ist eine Fazialisparese?
Bei einer Fazialisparese ist der Gesichtsnerv beeinträchtigt. Dadurch können Muskeln einer Gesichtshälfte plötzlich schwächer werden oder sich kaum noch bewegen. Mundwinkel und Augenlid können hängen, das Auge lässt sich möglicherweise nicht vollständig schliessen, und auch Geschmack, Tränenfluss oder Geräuschempfindlichkeit können verändert sein.
Eine häufige Form ist die sogenannte idiopathische Fazialisparese oder Bell-Parese. Sie wird erst dann angenommen, wenn andere Ursachen der Gesichtslähmung ausgeschlossen wurden. Deshalb sollte eine neu aufgetretene Gesichtsschwäche nicht selbst diagnostiziert werden.
Typische Beschwerden
Neue Gesichtslähmung: zuerst medizinisch abklären
Eine plötzlich hängende Gesichtshälfte kann auch bei einem Schlaganfall auftreten. Besonders wenn zusätzlich ein Arm schwach wird, Sprache auffällig ist, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen oder andere neurologische Symptome auftreten, ist eine sofortige Notfallabklärung notwendig.
Auch eine isolierte neue Fazialisparese sollte möglichst früh ärztlich beurteilt werden. Bei einer Bell-Parese kann eine früh begonnene Kortisonbehandlung die Heilungschancen verbessern. Kann das Auge nicht vollständig geschlossen werden, muss die Hornhaut vor Austrocknung und Verletzung geschützt werden.
Mögliche Ursachen
- Bell-Parese: häufigste periphere Fazialisparese ohne eindeutig nachweisbare Ursache.
- Infektionen: unter anderem Gürtelrose im Ohrbereich oder Borreliose können den Gesichtsnerv betreffen.
- Entzündliche oder neurologische Erkrankungen: müssen abhängig vom klinischen Bild ausgeschlossen werden.
- Verletzungen oder Eingriffe: können den Gesichtsnerv direkt beeinträchtigen.
- Zentrale neurologische Ursachen: beispielsweise ein Schlaganfall müssen bei entsprechenden Zeichen dringend ausgeschlossen werden.
Wie wird eine Fazialisparese behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer typischen Bell-Parese stehen die frühe medizinische Behandlung und der Schutz des betroffenen Auges im Vordergrund. Bei länger anhaltender Schwäche können spezialisierte Gesichtsrehabilitation, Physiotherapie oder Logopädie sinnvoll sein.
Bei unvollständiger Erholung können Bewegungen ungewollt miteinander gekoppelt sein. Diese sogenannten Synkinesien sollten gezielt durch erfahrene Fachpersonen behandelt werden.
Kann Akupunktur ergänzend eingesetzt werden?
Akupunktur wird bei Fazialisparesen ergänzend angeboten. Die wissenschaftliche Datenlage reicht jedoch nicht aus, um daraus einen Ersatz für die frühe medizinische Behandlung abzuleiten. Vor allem in den ersten Tagen haben ärztliche Diagnostik, Augenschutz und eine gegebenenfalls zeitkritische medikamentöse Behandlung Vorrang.
Wenn die Diagnose feststeht und die medizinische Behandlung läuft, kann Akupunktur bei einzelnen Betroffenen als ergänzende symptomorientierte Massnahme besprochen werden. Ziel ist dabei nicht, eine Regeneration des Nervs zu versprechen, sondern Beschwerden während des Verlaufs unterstützend zu begleiten.
Wann wir nicht zuerst behandeln
- Neu aufgetretene Gesichtslähmung ohne ärztliche Diagnose
- Zusätzliche Arm- oder Beinschwäche
- Sprach-, Seh- oder Bewusstseinsstörungen
- Starke Kopfschmerzen mit neurologischen Ausfällen
- Rotes, schmerzhaftes oder gefährdetes Auge bei fehlendem Lidschluss
Kosten und Krankenkasse
Die Behandlung läuft über die Zusatzversicherung. Bei EMR- oder ASCA-anerkannten Therapeutinnen beteiligen sich viele Zusatzversicherungen mit 80 bis 100 Prozent, die Grundversicherung deckt es nicht. Details findest du auf unserer Seite zur Krankenkasse.