Die Haglundferse ist ein knöcherner Höcker am oberen hinteren Fersenbein. Er selbst tut nicht weh; Schmerz entsteht, wenn Schuhrand oder Achillessehne darüber reiben und der Schleimbeutel dazwischen oder der Sehnenansatz sich entzünden. Die Grösse des Höckers sagt wenig über die Beschwerden aus. Behandelt wird zuerst mit Schuhen ohne Druck auf die Ferse, Fersenkeilen, Wadendehnung und angepasster Belastung; eine Operation ist die Ausnahme.
Was ist eine Haglundferse?
Die Haglundferse (Haglund-Deformität, Haglund-Exostose) ist eine Vorwölbung des Fersenbeins oben hinten, dort, wo die Achillessehne ansetzt. Sie ist durch die Fussform vorgegeben und bleibt oft lebenslang unbemerkt. Beschwerden entstehen erst, wenn der Höcker gegen die feste Hinterkappe eines Schuhs drückt und dabei Achillessehne und den Schleimbeutel dazwischen reizt. Höcker, gereizter Schleimbeutel und Sehnenansatz zusammen heissen Haglund-Syndrom.
Drei Dinge gehören deshalb auseinandergehalten: die knöcherne Form (Haglundferse), die Reizung des Schleimbeutels (Bursitis) und die Reizung des Sehnenansatzes. Letztere ist die Achillessehnenentzündung am Ansatz, die auch ohne Höcker vorkommt. Der Fersensporn ist ein anderer Knochenauswuchs unten an der Fusssohle; er hat mit der Haglundferse nichts zu tun, kann aber im selben Röntgenbild sichtbar sein. Die Plantarfasziitis schmerzt ebenfalls unten, nicht hinten.
Typische Beschwerden
- Druckschmerz hinten oben an der Ferse, dort, wo der Schuhrand anliegt
- sichtbarer Höcker, oft mit Rötung, Schwellung oder Hornhaut darüber
- Schmerz in Schuhen mit fester Hinterkappe, Besserung barfuss oder in offenen Schuhen
- Anlaufschmerz morgens oder nach längerem Sitzen
- Schmerz beim Bergaufgehen, Treppensteigen und Laufen
Ursachen
Begünstigend wirken ein hohes Längsgewölbe, ein steil stehendes Fersenbein und verkürzte Wadenmuskeln, die den Höcker stärker gegen die Sehne pressen. Auslöser sind Schuhe mit harter oder enger Hinterkappe, viel Laufumfang oder Bergauflaufen. In einer Vergleichsstudie mit 50 Personen mit Ansatz-Tendinopathie der Achillessehne und 50 Kontrollpersonen war die Höckergrösse in beiden Gruppen gleich; Verkalkungen in der Sehne, ein hinterer Fersensporn und ein steiles Fersenbein hingen dagegen mit Beschwerden zusammen. Nicht die Grösse des Höckers entscheidet also über den Schmerz. Differenzialdiagnosen sind die reine Ansatz-Tendinopathie, eine Schleimbeutelentzündung ohne Höcker, ein Teilriss der Achillessehne, eine Stressfraktur des Fersenbeins und bei Jugendlichen die Apophysitis der Ferse.
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin tastet Höcker, Schleimbeutel und Sehnenansatz ab, prüft Wadenlänge und Sprunggelenk und schaut sich die Schuhe an. Ein seitliches Röntgenbild zeigt die Vorwölbung, die Stellung des Fersenbeins und Verkalkungen am Sehnenansatz. Ein Ultraschall stellt den gefüllten Schleimbeutel und die Sehne dar. Eine MRT ist untypischen Verläufen und der Operationsplanung vorbehalten.
Wie wird behandelt?
- Schuhe: weiche oder offene Hinterkappe, keine Reibung auf dem Höcker; Fersenpolster oder Silikon-Gelkappe als Schutz
- Fersenkeile oder Einlagen: ein leicht erhöhter Absatz entlastet den Sehnenansatz
- Belastung anpassen: Berglauf und Umfang reduzieren, auf Velo oder Schwimmen ausweichen, danach schrittweise aufbauen
- Kühlen bis 20 Minuten mehrmals täglich; Schmerzmittel wie Ibuprofen zeitlich begrenzt nach Absprache
- Physiotherapie: Wadendehnung und Kräftigungsprogramm für die Achillessehne, am Ansatz ohne tiefes Absenken der Ferse über eine Kante (Physiotherapie)
- Stosswellentherapie als Option bei hartnäckigem Ansatzschmerz; Kortison höchstens in den Schleimbeutel, nicht in die Sehne, weil es einen Riss begünstigen kann
- Operation erst nach mehrmonatiger erfolgloser konservativer Behandlung: Abtragen des Höckers und des Schleimbeutels, bei Bedarf Wiederanheften des Sehnenansatzes; die Erholung dauert Monate
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei Haglundferse haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Eine kleine randomisierte Studie mit 52 Personen mit Ansatz-Tendinopathie der Achillessehne fand mit Elektroakupunktur zusätzlich zum Übungsprogramm kurzfristig weniger Schmerz, aber keinen Unterschied in der Funktion (Hawks 2023); sie untersuchte den Knochenhöcker nicht und lässt sich nicht übertragen. Ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung kann besprochen werden, wenn die Diagnose steht und ein Sehnenriss ausgeschlossen ist. Den Höcker baut Akupunktur nicht ab, den Schleimbeutel entleert sie nicht, und sie ersetzt weder den Schuhwechsel noch eine fachärztlich empfohlene Operation. Druckentlastung, Fersenkeil und Übungsprogramm bleiben die Grundlage.
Wann zeitnah abklären?
- Sofort in die Notfallstation (bei Gehunfähigkeit Notruf 144): plötzlicher Schlag oder Knall in Ferse oder Wade mit Kraftverlust beim Zehenstand (möglicher Achillessehnenriss); Fersenschmerz nach Sturz aus der Höhe mit Unfähigkeit aufzutreten (möglicher Bruch)
- Noch heute ärztlich (Hausärztin, Notfallpraxis oder Notfallstation): Rötung, Überwärmung, Fieber oder nässende Haut über dem Höcker (mögliche Infektion); Hautdefekt an der Ferse bei Diabetes
- Zeitnah in die Sprechstunde: keine Besserung nach sechs Wochen Schuhwechsel und Entlastung; Schmerz, der den Alltag einschränkt
Nächster Schritt
Bei Knall oder Kraftverlust in der Wade sofort in die Notfallstation (möglicher Sehnenriss). Sonst nimm den Druck von der Ferse: weiche oder offene Hinterkappe, Fersenkeil, weniger Berglauf. Hält der Schmerz länger als sechs Wochen an, lass die Ferse orthopädisch beurteilen. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Abklärung findest du über den Praxisfinder eine Praxis.
Häufige Fragen
Ist die Haglundferse dasselbe wie ein Fersensporn?
Nein. Die Haglundferse ist ein Höcker hinten oben am Fersenbein unter der Achillessehne. Der Fersensporn sitzt unten an der Fusssohle am Ansatz der Plantarfaszie: andere Stelle, andere Beschwerden.
Muss der Höcker entfernt werden?
Meist nicht. Die Beschwerden kommen von der Reizung des Schleimbeutels und des Sehnenansatzes, nicht vom Knochen selbst. Eine Operation wird erst erwogen, wenn Schuhwechsel, Entlastung und Physiotherapie über Monate nicht reichen.
Welche Schuhe sind geeignet?
Schuhe mit weicher, niedriger oder offener Hinterkappe, die den Höcker nicht berühren, dazu ein kleiner Fersenkeil. Harte Fersenkappen und enge Stiefel verstärken die Reibung.
Quellen
- Chelsea and Westminster Hospital NHS Foundation Trust: Posterior heel pain
- AAOS OrthoInfo: Achilles Tendinitis
- Lee et al. 2023: Association of Haglund Deformity Size and Insertional Achilles Tendinopathy, Foot and Ankle International
- Hawks et al. 2023: Treatment of Insertional Achilles Tendinopathy Using Adjunct Electroacupuncture Therapy, A Randomized Controlled Trial, Medical Acupuncture
