Lichen ruber planus (Knötchenflechte) ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die Haut, Mundschleimhaut, Genitalien, Nägel und Kopfhaut betreffen kann. Auf der Haut zeigen sich flache, glänzende, violette und meist juckende Knötchen, im Mund weissliche Netzzeichnungen. Die Hautform heilt oft innert ein bis zwei Jahren ab; Schleimhautformen dauern länger und werden regelmässig kontrolliert. Behandelt wird vor allem mit Kortison, lokal oder bei Bedarf als Tabletten.
Was ist Lichen ruber planus?
Lichen ruber planus, kurz Lichen planus oder Knötchenflechte, ist eine Immunreaktion, bei der Abwehrzellen die unterste Schicht der Oberhaut angreifen. Etwa ein Prozent der Menschen ist betroffen, meist zwischen 30 und 60 Jahren. Formen: die Hautform, die orale Form (rund die Hälfte der Betroffenen), die genitale Form, der Nagelbefall und der Lichen planopilaris der Kopfhaut mit bleibendem Haarverlust. Seltener sind die verdickte (hypertrophe), ringförmige oder pigmentierte Form und Arzneireaktionen.
Abzugrenzen ist der Lichen sclerosus: Er macht weisse, glatte, knittrige Haut vor allem an Vulva, Vorhaut und After; bei Frauen über 50 können beide Erkrankungen überlappen. Das Burning-Mouth-Syndrom ist ein Brennen bei unauffälliger Schleimhaut, während der orale Lichen planus sichtbare weisse Streifen oder Erosionen zeigt. Der Lichen simplex ist verdickte Haut durch dauerhaftes Kratzen; die Schuppenflechte bildet silbrig schuppende Plaques.
Typische Beschwerden
- Haut: flache, glänzende, violette bis rotbraune Knötchen mit feinen weissen Linien, oft an Handgelenkinnenseiten, Knöcheln und Kreuz; Juckreiz von fehlend bis stark; nach dem Abheilen graubraune Flecken für Monate
- Mund: weisse, netzartige Streifen an Wangeninnenseiten und Zungenrand, bei der erosiven Form schmerzhafte Wunden, Brennen bei scharfem oder saurem Essen, gerötetes Zahnfleisch
- Genitalien: bei Frauen weisse Streifen, wunde Stellen, Schmerzen beim Sex, Verklebungen; bei Männern ein Ring aus Knötchen um die Eichel
- Nägel: dünne, längsgerillte, aufgeraute Nägel, Ablösung oder Verlust
- Kopfhaut: Rötung und Schuppung um die Haarfollikel mit vernarbenden kahlen Stellen
Ursachen
Die Ursache ist nicht geklärt; die Erkrankung ist nicht ansteckend. Auslösend oder verstärkend können Hautverletzungen (Köbner-Phänomen), Stress, eine Hepatitis-C-Infektion, Herpes zoster, Kontaktallergien, etwa auf Amalgam bei Zahnfleischbefall, und Medikamente wirken, darunter bestimmte Blutdruck-, Entwässerungs- und Antimalariamittel. Verwechselt wird er mit Schuppenflechte, Ekzemen, Warzen, Pityriasis rosea, Ringelflechte, Lupus, im Mund mit Pilzbefall und Leukoplakie, an den Genitalien mit Lichen sclerosus.
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin stellt die Diagnose meist am Aussehen und fragt nach Medikamenten und Beschwerden an Mund, Genitalien, Nägeln und Kopfhaut. Eine Hautprobe sichert die Diagnose, wenn das Bild unklar ist, und hilft bei Schleimhautbefall, andere Ursachen auszuschliessen. Ein Bluttest auf Hepatitis C wird erwogen. Bei Zahnfleischbefall neben Amalgamfüllungen kann ein Epikutantest eine Metallallergie klären. Mundbefunde beurteilt oft die Zahnärztin mit, genitale Befunde Gynäkologie oder Urologie.
Wie wird behandelt?
- Keine Behandlung bei milder Hautform ohne Beschwerden, da sie von selbst abheilen kann; Ziel ist vor allem die Juckreizkontrolle
- Basispflege: rückfettende Pflege, keine Seifen und Duschgels, nicht kratzen, da Verletzungen neue Knötchen auslösen
- Stark wirksame Kortisoncremes oder -salben nach Anleitung; an empfindlichen Stellen kortisonfreie Calcineurinhemmer; Kortisonspritzen in verdickte Herde
- Mund: Kortison als Haftsalbe oder Mundspülung, reizende Speisen, Alkohol und Rauchen meiden, sorgfältige Zahnpflege
- Genitalien: starke Kortisonsalben, keine enge Kleidung, Gynäkologie bei Verklebungen
- Ausgedehnte oder vernarbende Formen: Kortisontabletten über ein bis drei Monate, danach Acitretin, Hydroxychloroquin, Methotrexat oder Lichttherapie unter fachärztlicher Kontrolle; Kopfhaut und Nägel werden früh behandelt, weil Narben bleiben
- Kontrollen: bei anhaltenden Erosionen im Mund oder an den Genitalien und bei der hypertrophen Form ist das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom leicht erhöht; deshalb regelmässige fachärztliche Kontrolle; Rauchen und Alkohol erhöhen das Risiko
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei Lichen ruber planus haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden; unter den Treffern ist ein Fallbericht über einen durch Akupunktur ausgelösten Schub (Fleming 2011), passend zum Köbner-Phänomen. Ein ergänzender Versuch, etwa bei Juckreiz oder Schlafstörung, kann mit der Fachärztin besprochen werden. Befallene Haut wird nicht genadelt, weil Verletzungen neue Knötchen provozieren können. Akupunktur ersetzt weder Kortison noch die Kontrollen der Schleimhäute; wer die Behandlung zugunsten ergänzender Verfahren pausiert, riskiert Narben an Schleimhaut, Nägeln oder Kopfhaut. Pflanzliche Präparate können mit Methotrexat oder Hydroxychloroquin wechselwirken.
Wann zeitnah abklären?
- Noch heute ärztlich (Hausärztin, Notfallpraxis oder Notfallstation): Schluckbeschwerden, die Essen oder Trinken verhindern; rasch wachsender Knoten oder blutendes Geschwür im Mund oder an den Genitalien; Notruf 144 nur bei akuter Atemnot oder starker Blutung
- Zeitnah in die Sprechstunde: wunde Stellen im Mund oder an den Genitalien, die länger als drei Wochen nicht abheilen; ein Geschwür mit verhärtetem Rand oder eine Stelle, die sich verdickt oder verfärbt; Schmerzen beim Schlucken; Haarausfall mit Rötung oder Schuppung um die Haarwurzeln, rasch fortschreitende Nagelveränderungen; Verklebungen oder Verengung im Genitalbereich (Termin innert Wochen, nicht erst bei der nächsten Routinekontrolle)
Nächster Schritt
Lass violette Knötchen oder weisse Streifen im Mund ärztlich beurteilen, halte Schleimhautbefunde in regelmässiger Kontrolle und wende Kortison nach Anleitung an; eine wunde Stelle, die länger als drei Wochen bleibt, braucht einen Termin innert Wochen, nicht erst die nächste Routinekontrolle. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Diagnose findest du über den Praxisfinder eine Praxis.
Häufige Fragen
Ist Lichen ruber planus ansteckend?
Nein. Es ist eine Reaktion der eigenen Abwehrzellen gegen die Haut, keine Infektion. Eine Hepatitis-C-Infektion kann sie begünstigen und wird bei der Abklärung mitbedacht.
Was unterscheidet Lichen planus von Lichen sclerosus?
Lichen sclerosus macht weisse, glatte, pergamentartige Haut fast nur im Genital- und Afterbereich. Lichen planus bildet violette Knötchen auf der Haut, netzartige weisse Streifen im Mund und erosive Stellen an den Genitalien. Bei Zweifel unterscheidet die Hautprobe.
Warum sind Kontrollen bei Befall im Mund wichtig?
Die orale Form dauert oft viele Jahre, und bei lange bestehenden Erosionen ist das Risiko für Mundschleimhautkrebs leicht erhöht. Regelmässige Kontrollen bei Zahnärztin oder Dermatologie erkennen Veränderungen früh.
