Die Tibialis-posterior-Sehne verläuft hinter dem Innenknöchel und stützt das Längsgewölbe des Fusses. Eine Tendinopathie macht Schmerz und Schwellung an der Innenseite des Knöchels und Schwäche beim Zehenstand. Früh behandelt mit Einlagen, Schuhen und Kräftigung bleibt die Fussform meist erhalten; schreitet sie fort, entsteht ein erworbener Plattfuss, der fachärztlich betreut wird.
Was ist eine Tibialis-posterior-Tendinopathie?
Der Musculus tibialis posterior liegt tief in der Wade. Seine Sehne zieht hinter dem Innenknöchel entlang, über den Spann zur Fussinnenseite und setzt an mehreren Knochen der Fusswurzel an. Sie ist die wichtigste Sehne für das Längsgewölbe und hilft beim Zehenstand und beim Einwärtsdrehen des Fusses. Wird sie überlastet oder beschädigt, entsteht eine Tibialis-posterior-Tendinopathie, auch Tibialis-posterior-Dysfunktion genannt.
Bleibt die Sehne geschwächt, kann sie das Gewölbe nicht mehr halten. Dann senkt sich der Fuss ab und die Ferse knickt nach aussen: ein erworbener Knick-Senkfuss des Erwachsenen. Fachleute sprechen heute von der fortschreitenden Fussdeformität (PCFD). Nicht jeder Plattfuss ist eine Sehnenerkrankung, und nicht jede Tendinopathie führt zum Plattfuss. Diese Seite behandelt die Sehne; Brennen und Kribbeln an der Fusssohle gehören zum Tarsaltunnelsyndrom, Fersenschmerz am Morgen zur Plantarfasziitis.
Typische Beschwerden
- Schmerz und Schwellung hinter und unterhalb des Innenknöchels, entlang der Sehne bis ins Gewölbe
- Schmerz beim Gehen, langen Stehen und bei Belastung, Zunahme in flachen Schuhen oder barfuss
- Schwäche beim Abstossen und beim Zehenstand auf einem Bein
- Abflachen des Gewölbes, Ferse knickt nach aussen
- im weiteren Verlauf Schmerz an der Aussenseite des Knöchels, wenn Knochen dort aneinanderstossen
Ursachen
Meist handelt es sich um eine Überlastung der Sehne, begünstigt durch altersbedingte Veränderungen des Sehnengewebes, Übergewicht, wenig stützende Schuhe und sprung- oder laufintensive Sportarten. Frauen über 40 sind häufiger betroffen; Diabetes und Bluthochdruck gelten als Risikofaktoren. Seltener reisst die Sehne bei einem Sturz oder einer Verletzung ein. Auch eine Arthrose der Fusswurzel oder lockere Bänder können die Sehne überfordern. Mit der Zeit entsteht ein Kreislauf: Je mehr das Gewölbe sinkt, desto mehr werden Sehne und Bänder gedehnt.
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin untersucht Schwellung und Druckschmerz entlang der Sehne, die Stellung der Ferse von hinten, das Gewölbe im Stehen und den einbeinigen Zehenstand, der bei einer schwachen Sehne nicht oder nur mit Schmerz gelingt. Röntgenbilder im Stehen zeigen die Stellung der Fussknochen und eine Arthrose; Ultraschall oder MRT stellen Reizung, Verdickung oder Risse der Sehne dar.
Wie wird behandelt?
- Belastung anpassen: Laufen und Springen in der schmerzhaften Phase meiden, Ausdauer über Velo oder Schwimmen erhalten
- Schuhe: stützende Schuhe, Halbschuhe oder Knöchelschuhe statt flacher Sohlen; nicht barfuss gehen, weil das die Sehne stärker belastet
- Einlagen mit Stütze des Längsgewölbes, bei stärkerer Fehlstellung Orthesen oder eine Knöchelbandage
- Übungen: Kräftigung der Tibialis-posterior- und Wadenmuskulatur (zum Beispiel Fersenheben), Dehnung der Wade, angeleitet durch Physiotherapie
- Schmerzmittel wie Paracetamol oder ein entzündungshemmendes Gel nach Absprache, Kühlen oder Wärme
- Gewicht reduzieren, wo es eine Rolle spielt
- Operation, wenn Einlagen, Orthesen und Übungen nicht ausreichen oder das Gewölbe weiter einsinkt; die Eingriffe reichen von der Sehnennaht bis zu Knochen- und Sehnenumstellungen und sind oft aufwendig
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei Tibialis-posterior-Tendinopathie haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung kann nach der Abklärung besprochen werden. Er stützt das Gewölbe nicht und hält ein Fortschreiten der Fehlstellung nicht auf; Einlagen, Schuhe und Kräftigung bleiben die Grundlage, und ein sich veränderndes Fussgewölbe gehört in fachärztliche Kontrolle.
Wann zeitnah abklären?
- Fussgewölbe sinkt sichtbar ab oder die Ferse knickt zunehmend nach aussen
- einbeiniger Zehenstand ist nicht mehr möglich
- plötzlicher Schmerz am Innenknöchel nach einem Sturz oder Fehltritt
- Rötung, Überwärmung, Fieber
- Taubheit oder Kribbeln an der Fusssohle
- Diabetes mit Fussschmerz oder Wunden
Nächster Schritt
Lass Schmerzen am Innenknöchel früh ärztlich einordnen und mit Einlagen und Übungen behandeln, bevor sich die Fussform verändert. Weitere Ursachen von Knöchelschmerz erklärt die Seite Sprunggelenkschmerzen. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Abklärung hilft der Praxisfinder.
Häufige Fragen
Welche Funktion hat die Tibialis-posterior-Sehne?
Sie hält das Längsgewölbe des Fusses, stabilisiert den Fuss beim Gehen und ermöglicht den Zehenstand und das Einwärtsdrehen des Fusses. Fällt sie aus, sinkt das Gewölbe ab.
Ist jeder Plattfuss eine Sehnenerkrankung?
Nein. Viele Menschen haben von Kindheit an flache Füsse ohne Beschwerden. Von einer Sehnenerkrankung spricht man, wenn sich das Gewölbe im Erwachsenenalter neu absenkt und die Sehne schmerzt oder schwach ist.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Stützende Schuhe, Einlagen oder Orthesen, Kräftigung und Dehnung unter Anleitung, Anpassung der Belastung und Schmerzmittel. Reicht das nicht oder schreitet die Fehlstellung fort, kommen operative Verfahren infrage.
