Können TCM-Kräuter die Leber schädigen?
Natürlich heisst nicht leberschonend. Für einzelne chinesische Arzneimittel sind Leberschäden gut beschrieben. Was das für deine Rezeptur bedeutet und wann du sofort ärztlich abklären lassen solltest.
Ja, das ist möglich, aber selten. Von den vielen chinesischen Arzneimitteln sind nur wenige mit klinisch relevanten Leberschäden in Verbindung gebracht worden. Ein gut dokumentiertes Beispiel ist Polygonum multiflorum, auch He Shou Wu oder Fo-Ti genannt. Zusätzlich können falsch deklarierte oder verunreinigte Produkte ein Risiko sein. Entscheidend sind deshalb die genaue Rezeptur, die Produktqualität, deine übrigen Medikamente und das rasche Handeln bei Warnzeichen.
Was über Leberschäden durch chinesische Kräuter bekannt ist
Die US-Datenbank LiverTox zu arzneimittelbedingten Leberschäden hält fest: Von den mehr als 7000 chinesischen Arzneimitteln sind nur wenige mit klinisch deutlichen Leberschäden in Verbindung gebracht worden. Häufig genannt werden unter anderem Jin Bu Huan, Ma Huang (Ephedra) und Shou Wu Pian. Manche verursachen Schäden bei hohen Konzentrationen, einige auch bei empfohlener Dosierung. Viele Präparate sind Mischungen, deren Zusammensetzung trotz gleichem Namen stark schwanken kann.
LiverTox beschreibt auch Probleme bei der Kennzeichnung: Produkte können falsch deklariert oder mit Giftstoffen, Metallen oder sogar herkömmlichen Arzneimitteln verunreinigt sein. Warum Herkunft und Prüfung der Kräuter wichtig sind, erklärt der Artikel Qualität und Zulassung chinesischer Kräuter.
Ein Beispiel: Polygonum multiflorum
Polygonum multiflorum, auch bekannt als He Shou Wu, Shou Wu Pian oder Fo-Ti, ist in zahlreichen Berichten mit akuten Leberschäden in Verbindung gebracht worden, teils schwer und sogar tödlich. Eine Fallserie beschrieb 18 sonst gesunde Menschen mit Leberschäden nach der Einnahme. Die Beschwerden begannen im Median nach 27 Tagen, in einer Spanne von einem Tag bis 120 Tagen. Häufig waren Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gelbsucht. Nach dem Absetzen und unterstützender Behandlung erholten sich alle.
Solche Fallberichte zeigen, dass ein Risiko besteht. Sie sagen nichts darüber, wie häufig Leberschäden bei einer bestimmten Rezeptur auftreten, und sie gelten nicht für jedes chinesische Kraut.
Was du vor einer Einnahme mitbringen solltest
- den genauen Namen und die Bestandteile der Rezeptur,
- alle Medikamente, Nahrungsergänzungen und andere pflanzliche Mittel, die du nimmst,
- bekannte Lebererkrankungen und frühere auffällige Leberwerte,
- deinen üblichen Alkoholkonsum.
Wie Wechselwirkungen und Nebenwirkungen allgemein eingeordnet werden, steht unter Nebenwirkungen von TCM-Kräutern.
Warnzeichen: sofort ärztlich abklären
Gelbe Haut oder gelbe Augen, dunkler Urin, heller Stuhl, starker Juckreiz, ungewohnte Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Schmerzen im rechten Oberbauch während einer Kräutereinnahme gehören sofort ärztlich abgeklärt. Nimm die Kräuter bis zur Klärung nicht weiter ein und informiere die verordnende Fachperson. Bring Packungen, Reste der Kräuter und die Rezeptur mit; sie helfen, das auslösende Mittel zu bestimmen.
Ein einzelner erhöhter Laborwert ist noch keine Diagnose. Was erhöhte Leberwerte bedeuten können, erklärt die Seite Leberwerte erhöht. Ob und wann Kontrollen nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Häufige Fragen
Ist natürlich automatisch leberschonend?
Nein. Chinesische Kräuter sind wirksame Arzneimittel. Für einzelne Präparate sind Leberschäden gut dokumentiert, auch bei empfohlener Dosierung.
Was soll ich zum Gespräch mitbringen?
Die genaue Rezeptur oder Packung, eine vollständige Liste deiner Medikamente und Nahrungsergänzungen und Angaben zu früheren Leberwerten oder Lebererkrankungen.
Sind normale frühere Leberwerte eine Garantie?
Nein. In der Fallserie traten die Leberschäden erst Tage bis Monate nach Beginn der Einnahme auf. Achte deshalb während der ganzen Einnahme auf Warnzeichen.
Quellen
- LiverTox: Chinese and other Asian Herbal Medicines. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, 2022. PMID 31643904. (PubMed-Zusammenfassung des Kapitels)
- LiverTox: Polygonum Multiflorum. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, 2020. PMID 31644102. (PubMed-Zusammenfassung des Kapitels)
- Dong H et al. Eighteen cases of liver injury following ingestion of Polygonum multiflorum. Complementary Therapies in Medicine, 2014. PMID 24559819. (PubMed-Abstract)
- NHS. Jaundice. (Patienteninformation, Volltext)
Bei Warnzeichen geh zuerst zur Ärztin oder zum Arzt. Für eine geplante Kräutertherapie bring deine Medikamentenliste mit; wir besprechen die Rezeptur und ihre Bestandteile.