Grundlagen & Begriffe

Funktionskreise (Zang Fu) in der TCM

Traditionelles Modell, keine Diagnose

Diese Seite erklärt ein Konzept der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es handelt sich um ein traditionelles Einordnungsmodell, nicht um einen anatomischen oder biomedizinischen Fakt und nicht um eine schulmedizinische Diagnose. Bei Warnzeichen gilt: zuerst zur Ärztin, siehe Wann sollte ich zuerst zum Arzt?

Kurz erklärt

Funktionskreise sind ein Grundkonzept der traditionellen chinesischen Medizin.

Wenn in der TCM von «Leber», «Milz», «Niere» oder anderen Organen gesprochen wird, ist damit häufig nicht nur das anatomische Organ gemeint. Der Begriff beschreibt innerhalb des traditionellen Modells einen grösseren funktionellen Zusammenhang.

Für diese Systeme wird häufig die Bezeichnung Zang Fu verwendet.

Das ist wichtig, weil Aussagen über einen TCM-Funktionskreis nicht automatisch Aussagen über den medizinischen Zustand des gleichnamigen Organs sind.

Was das traditionelle Konzept meint

Die traditionelle chinesische Medizin ordnet viele körperliche Funktionen in sogenannte Zang-Fu-Systeme ein.

Zang und Fu bezeichnen dabei unterschiedliche Gruppen traditioneller Funktionssysteme.

Zu den häufig genannten Zang gehören beispielsweise:

  • Herz
  • Lunge
  • Milz
  • Leber
  • Niere

Zu den Fu werden traditionell unter anderem gezählt:

  • Magen
  • Dünndarm
  • Dickdarm
  • Gallenblase
  • Harnblase
  • Dreifacher Erwärmer

Die deutschen Organnamen können dabei irreführend sein.

Ein TCM-Begriff wie «Leber» umfasst im traditionellen Modell Beziehungen und Funktionen, die über das anatomische Organ Leber hinausgehen.

Dasselbe gilt beispielsweise für «Milz» oder «Niere».

Wie es in der TCM-Praxis verwendet wird

Funktionskreise werden in der TCM verwendet, um Beobachtungen miteinander zu verbinden.

Sie spielen unter anderem eine Rolle bei:

  • Musterdiagnostik
  • Fünf-Elemente-Modell
  • Meridianlehre
  • traditioneller Organuhr
  • Einordnung von Qi, Blut, Yin und Yang

Ein Beispiel ist Leber-Qi-Stagnation.

Der Begriff bedeutet nicht, dass die anatomische Leber medizinisch «stagniert».

Er beschreibt ein traditionelles Muster innerhalb des Funktionskreises Leber und des Qi-Modells.

Ähnlich bezeichnet Milz-Qi-Mangel keine medizinisch diagnostizierte Erkrankung der Milz.

Der Begriff kombiniert den traditionellen Funktionskreis Milz mit dem Muster Qi-Mangel.

Diese sprachliche Trennung ist für das Verständnis vieler TCM-Begriffe entscheidend.

Was es nicht bedeutet

Ein TCM-Funktionskreis ist kein anatomisches Organmodell.

Wenn eine Therapeutin oder ein Therapeut beispielsweise von:

  • Leber-Qi
  • Milz-Qi
  • Nieren-Yang
  • Herz-Blut

spricht, bedeutet dies nicht automatisch, dass das entsprechende Organ medizinisch krank ist.

Erhöhte Leberwerte sind deshalb nicht dasselbe wie ein TCM-Muster des Funktionskreises Leber.

Eine Erkrankung der Milz ist nicht dasselbe wie Milz-Qi-Mangel.

Und eine medizinische Nierenerkrankung kann nicht aus einem traditionellen «Nieren»-Muster abgeleitet werden.

Die gleichen Wörter werden in zwei unterschiedlichen medizinischen Modellen verwendet und müssen entsprechend auseinandergehalten werden.

Die moderne medizinische Perspektive

Die Zang-Fu-Lehre gehört zum traditionellen theoretischen System der Chinesischen Medizin.

Ihre Funktionskreise sind historisch entstandene Kategorien und nicht identisch mit der modernen anatomischen und physiologischen Beschreibung von Organen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Leber, Niere, Milz oder andere Organe sollten deshalb nicht als direkter Nachweis der traditionellen Zang-Fu-Zuordnungen dargestellt werden.

Was das für dich praktisch heisst

Funktionskreise sind ein Schlüssel zum Verständnis der Sprache der TCM.

Ohne diese Unterscheidung können Begriffe wie Leber-Qi-Stagnation oder Milz-Qi-Mangel leicht so verstanden werden, als würden sie eine Erkrankung des anatomischen Organs behaupten.

Die Funktionskreis-Seite bildet deshalb eine Grundlage für Muster, Meridiane, die Fünf Elemente und die Organuhr.

Sie erklärt die Sprache des traditionellen Modells, ohne daraus eine medizinische Organdiagnose abzuleiten.

Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist

Bekannte oder vermutete Erkrankungen von Leber, Niere, Herz, Lunge, Milz oder anderen Organen benötigen die dafür vorgesehene medizinische Beurteilung.

Eine TCM-Einordnung eines gleichnamigen Funktionskreises sollte medizinische Diagnosen, Untersuchungen oder Behandlungen nicht ersetzen.

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