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Therapien verstehen

Schröpfen: Wie es wirkt und warum die runden Flecken entstehen

Spätestens seit Spitzensportler mit kreisrunden, dunkelroten Flecken auf dem Rücken zu Wettkämpfen antraten, kennt jeder das Bild: Da hat jemand geschröpft. Die Flecken sehen dramatischer aus, als sie sind, und die Methode dahinter ist eine der ältesten Behandlungsformen überhaupt. Hier erklären wir, was beim Schröpfen im Gewebe passiert, warum die Flecken entstehen und was die Behandlung realistisch leisten kann.

Corinna Reinhart 7 Min. Lesezeit Aktualisiert September 2026 Geprüft durch Corinna Reinhart

Was beim Schröpfen passiert

Beim Schröpfen setzt die Therapeutin Gläser oder Kunststoff-Cups auf die Haut und erzeugt darin einen Unterdruck, klassisch mit einer kurzen Flamme, moderner mit einer Pumpe. Der Unterdruck saugt Haut und oberflächliches Bindegewebe wenige Millimeter in das Glas hinein. Das ist der entscheidende Unterschied zu fast allen anderen manuellen Techniken: Massage, Gua Sha und Druckbehandlungen komprimieren das Gewebe, Schröpfen hebt es an.

Dieses Anheben hat zwei unmittelbare Effekte. Erstens steigt die Durchblutung im behandelten Areal massiv, das Gewebe wird regelrecht durchspült. Zweitens werden die Gewebeschichten, Haut, Unterhaut und oberflächliche Faszie, voneinander abgehoben und gegeneinander mobilisiert. Genau deshalb hat die Sport- und Faszienwelt das jahrtausendealte Schröpfen als Cupping wiederentdeckt.

Die Gläser bleiben je nach Technik fünf bis fünfzehn Minuten stehen, oder sie werden mit etwas Öl über die Muskulatur gezogen, die Schröpfmassage, die viele als intensive, tiefe Massage empfinden. Daneben gibt es das blutige Schröpfen und die Hijama, bei denen die Haut vorher minimal angeritzt wird, dazu haben wir eigene Seiten.

Warum die Flecken entstehen und wie lange sie bleiben

Der Unterdruck zieht Blut in die feinsten Hautgefässe, einige der Kapillaren geben nach, und kleine Mengen Blut treten ins Gewebe aus. Das Ergebnis ist der typische kreisrunde Fleck: kein blauer Fleck durch Verletzung von aussen, sondern eine gewollte, kontrollierte Folge des Unterdrucks. Die Färbung reicht von rosa bis dunkelviolett, je nachdem, wie stark gesaugt wurde und wie das Gewebe reagiert. In der TCM-Praxis lesen wir die Färbung auch als Hinweis darauf, wie verspannt und schlecht durchblutet ein Areal ist, stark verhärtete Zonen färben sich meist deutlich dunkler.

Die Flecken schmerzen nicht, höchstens fühlt sich die Stelle an wie nach einer kräftigen Massage. Sie verblassen über drei bis zehn Tage, wie ein Bluterguss, von dunkel über grünlich zu gelb. Wer ein wichtiges Fotoshooting oder eine Hochzeit vor sich hat, plant die Behandlung besser zwei Wochen vorher.

Was Schröpfen realistisch kann

Die Studienlage ist ehrlich gesagt durchzogen: Übersichtsarbeiten zeigen Hinweise auf Schmerzlinderung bei Nacken- und Rückenschmerzen (Cao H et al., PLoS One 2012), die Qualität vieler Studien ist aber begrenzt, unter anderem, weil sich Schröpfen schlecht mit einer Scheinbehandlung vergleichen lässt. Aus der Praxis können wir sagen: Bei muskulären Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich ist Schröpfen eine unserer direktesten Techniken, viele Patient:innen beschreiben schon nach der ersten Behandlung ein deutlich lockereres, wärmeres Gefühl im behandelten Bereich. Eingesetzt wird es bei uns auch begleitend bei Erkältungsneigung und zur Lockerung vor Akupunktur oder Tuina.

Was Schröpfen nicht ist: eine Entgiftung. Die verbreitete Behauptung, mit den Flecken würden Giftstoffe ausgeleitet, ist nicht haltbar, und wir verwenden sie bewusst nicht. Die Wirkung erklärt sich über Durchblutung, Gewebemobilisation und die Reizantwort des Nervensystems, das reicht völlig.

Für wen Schröpfen nicht geeignet ist

Nicht geschröpft wird auf verletzter, entzündeter oder von Ekzemen betroffener Haut, über Krampfadern und bei akutem Fieber. Vorsicht und vorherige Absprache gelten bei Blutverdünnern und Gerinnungsstörungen, hier entstehen sonst sehr ausgeprägte Flecken, sowie in der Schwangerschaft, wo Bauch und unterer Rücken ausgespart werden. Bei sehr niedrigem Blutdruck behandeln wir im Liegen und langsamer. All das klären wir im Erstgespräch, sag uns deine Medikamente und Vorerkrankungen.

Kosten und Krankenkasse

Schröpfen bei EMR- oder ASCA-anerkannten Therapeutinnen erstatten die meisten Zusatzversicherungen mit 80 bis 100 Prozent, die Grundversicherung deckt es nicht. Details in unserem Artikel zu Krankenkasse und TCM.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Schmerzen oder unklaren Beschwerden zuerst abklären lassen.

Verfasst von Corinna Reinhart, dipl. TCM-Therapeutin mit EMR- und ASCA-Anerkennung. Quellen: Cao H et al., An updated review of the efficacy of cupping therapy, PLoS One 2012.

Yuna vom TCM.ch Care Team
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Häufige Fragen

Tut Schröpfen weh?

Der Unterdruck spürt sich als kräftiges Ziehen an, die meisten empfinden es als intensiv, aber gut aushaltbar. Die Schröpfmassage fühlt sich wie eine tiefe Massage an. Echter Schmerz ist ein Signal, die Saugstärke zu reduzieren.

Wie lange bleiben die Schröpfflecken?

Drei bis zehn Tage, je nach Saugstärke und Gewebe. Sie verblassen wie ein Bluterguss und schmerzen nicht.

Sind die Flecken gefährlich?

Nein. Sie entstehen durch kontrolliert ausgetretenes Blut aus den feinsten Hautgefässen und bauen sich vollständig ab. Bei Gerinnungsstörungen oder Blutverdünnern vorher Bescheid sagen, dann wird sanfter gearbeitet.

Wie oft kann man schröpfen?

Bei Verspannungen meist einmal pro Woche, auf derselben Stelle erst wieder, wenn die Flecken verblasst sind. Den Rhythmus legen wir nach deiner Reaktion fest.

Was ist der Unterschied zwischen Schröpfen und blutigem Schröpfen?

Beim klassischen, trockenen Schröpfen bleibt die Haut intakt. Beim blutigen Schröpfen und der Hijama wird die Haut vorher minimal angeritzt, dazu findest du eigene Seiten mit allen Details und Hygieneregeln.

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