Die gluteale Tendinopathie ist die häufigste Ursache von Schmerz an der Aussenseite der Hüfte. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. In einer grossen Studie half ein angeleitetes Übungs- und Schulungsprogramm über acht Wochen besser als eine Kortisonspritze oder Abwarten. Eine Operation ist nur selten nötig.
Was ist eine gluteale Tendinopathie?
Die kleinen und mittleren Gesässmuskeln setzen mit ihren Sehnen am grossen Rollhügel an, dem Knochenvorsprung aussen an der Hüfte. Werden diese Sehnen überlastet oder zusammengedrückt, verändern sie sich und schmerzen. Das nennt man gluteale Tendinopathie.
Oft wird der Überbegriff Trochanter-Schmerzsyndrom (GTPS) verwendet. Er umfasst neben der Sehnenreizung auch die Schleimbeutelentzündung am Rollhügel. Die Sehnen sind aber meist der Hauptgrund. Schmerz in der Leiste oder tief im Gelenk spricht eher für eine Hüftarthrose; eine Übersicht gibt die Seite Hüftschmerzen.
Typische Beschwerden
- Druckschmerz direkt über dem äusseren Hüftknochen
- Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite, oft mit gestörtem Schlaf
- Schmerz beim Aufstehen vom Stuhl und bei den ersten Schritten
- Schmerz beim Gehen, besonders bergauf und auf Treppen
- Schmerz beim Stehen auf einem Bein, etwa beim Anziehen
Ursachen
Sehnen brauchen Belastung, um gesund zu bleiben. Zu viel, zu plötzlich oder zu wenig Belastung schadet ihnen. Bei der glutealen Tendinopathie kommen oft eine Schwäche der Gesässmuskeln und Haltungen zusammen, die die Sehnen gegen den Knochen drücken: Beine übereinanderschlagen, auf der Seite liegen, Stehen mit Hüfte zur Seite geschoben. Weitere Faktoren sind Alter und Hormonumstellung, Übergewicht am Bauch, erhöhte Blutfette, Diabetes, frühere Einnahme bestimmter Antibiotika und Veränderungen an Hüfte oder Wirbelsäule.
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin oder Physiotherapeutin untersucht Druckschmerz, Kraft und Bewegungsmuster von Hüfte und Becken und prüft, ob Hüftgelenk oder Lendenwirbelsäule mitbeteiligt sind. Mit Ultraschall oder MRT lassen sich Sehnenveränderungen, Risse oder ein gefüllter Schleimbeutel darstellen; nötig ist das vor allem, wenn der Verlauf untypisch ist oder eine Spritze oder Operation zur Diskussion steht.
Wie wird behandelt?
- Belastung steuern: Haltungen meiden, die die Sehnen zusammendrücken: nicht mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzen, hohe statt tiefe Stühle, beim Seitenliegen ein Kissen zwischen die Knie, Gewicht gleichmässig auf beide Füsse
- Übungsprogramm: schrittweiser Aufbau von Kontrolle und Kraft der Hüft- und Beckenmuskulatur, angeleitet durch Physiotherapie. In einer Studie mit 204 Personen erreichten nach acht Wochen 51 von 66 mit Schulung und Übungen eine deutliche Besserung, gegenüber 38 von 65 mit Kortisonspritze und 20 von 68 mit Abwarten; nach einem Jahr lag die Übungsgruppe weiterhin vorne.
- Gewicht, Rauchstopp, Ernährung, wo dies eine Rolle spielt
- Kortisonspritze: kurzfristige Linderung, auf Dauer dem Übungsprogramm unterlegen
- Stosswellentherapie oder Eigenblutinjektion (PRP) als Ergänzung zum Übungsprogramm, wenn dieses allein nicht reicht
- Operation nur in sehr wenigen Fällen bei Sehnenrissen ohne Besserung; viele Risse werden auch ohne Eingriff schmerzfrei
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei glutealer Tendinopathie haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Eine kleine Studie mit 43 Personen fand Dry Needling einer Kortisonspritze nicht unterlegen (Brennan 2017); Dry Needling ist eine physiotherapeutische Nadeltechnik, keine TCM-Akupunktur, und die Studie hatte keine Scheinbehandlung, belegt also keine spezifische Nadelwirkung. Ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung, etwa um besser zu schlafen und das Übungsprogramm durchzuhalten, kann besprochen werden. Nadeln reparieren die Sehne nicht. Was die Sehne belastbarer macht, ist der dosierte Trainingsaufbau; er bleibt die Grundlage.
Wann zeitnah abklären?
- Schmerz nach einem Sturz auf die Hüfte, vor allem wenn das Bein nicht belastet werden kann
- heisse, gerötete, geschwollene Hüfte oder Fieber
- Schmerz, der nachts und in Ruhe zunimmt, mit Gewichtsverlust oder allgemeinem Krankheitsgefühl
- Taubheit, Schwäche oder Ausstrahlung bis in den Fuss (siehe Ischias)
- neue Schmerzen unter Kortison- oder Antibiotikabehandlung
Nächster Schritt
Beobachte, welche Haltungen den Schmerz auslösen, und lass dich ärztlich oder physiotherapeutisch untersuchen. Ein angepasstes Übungsprogramm braucht einige Monate, bringt aber die beste Aussicht auf Besserung. Wenn du begleitend einen Behandlungsversuch besprechen möchtest, findest du über den Praxisfinder eine Praxis.
Häufige Fragen
Ist das eine Schleimbeutelentzündung?
Nicht unbedingt. Schleimbeutel und Sehnen liegen am gleichen Knochenvorsprung und können beide gereizt sein. Meist stehen aber die Sehnenveränderungen im Vordergrund, der Schleimbeutel reagiert mit.
Warum tut Liegen auf der Seite weh?
In Seitenlage werden die Sehnen zwischen dem Hüftknochen und der Unterlage zusammengedrückt. Ein Kissen zwischen den Knien, Liegen auf der anderen Seite oder auf dem Rücken mit Kissen unter den Knien entlastet.
Welche Rolle spielt Belastungsaufbau?
Die zentrale. Sehnen werden durch dosierte, langsam gesteigerte Belastung belastbarer. Schonung allein und auch die Kortisonspritze schnitten in der Forschung langfristig schlechter ab als Schulung plus Übungen.
Quellen
- Royal National Orthopaedic Hospital NHS Trust: A Patient's guide to Gluteal Tendinopathy
- Mellor et al. 2018: Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy, BMJ
- My Joint Health Hub (NHS BNSSG): Greater trochanteric pain syndrome (GTPS)
- Brennan et al. 2017: Dry Needling Versus Cortisone Injection in the Treatment of Greater Trochanteric Pain Syndrome, a Noninferiority Randomized Clinical Trial, Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy
