Das patellofemorale Schmerzsyndrom verursacht Schmerzen hinter oder um die Kniescheibe, typisch bei Treppen, Hocke und langem Sitzen. Am besten belegt ist gezieltes Training von Hüfte und Knie. Bildgebung ist meist nicht nötig, ausser nach Unfall, bei Schwellung oder Blockade.
Was ist das patellofemorale Schmerzsyndrom?
Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom schmerzt das Knie vorne, hinter oder rund um die Kniescheibe. Betroffen ist das Gleitlager zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen. Der Begriff beschreibt ein Beschwerdebild, keine einzelne sichtbare Schädigung. Oft findet sich im Röntgen nichts Auffälliges.
Abzugrenzen ist das Patellaspitzensyndrom, bei dem die Sehne unterhalb der Kniescheibe schmerzt, meist nach Sprungbelastung.
Typische Beschwerden
- dumpfer Schmerz vorne am Knie
- Zunahme beim Treppab- oder Bergabgehen, in der Hocke, beim Knien
- Schmerz nach langem Sitzen mit gebeugten Knien
- Beschwerden beim Laufen, Springen oder Velofahren
- Knirschen kann vorkommen, ist allein aber kein Krankheitszeichen
Ursachen und Risikofaktoren
Meist wirken mehrere Faktoren zusammen: eine rasche Steigerung des Trainings, viel Belastung in Beugung, Schwäche der Hüft- und Oberschenkelmuskulatur und die individuelle Beinachse. Betroffen sind häufig Jugendliche und junge Erwachsene.
Wie wird abgeklärt?
Die Diagnose wird klinisch gestellt: Die Fachperson fragt nach auslösenden Bewegungen, prüft Druckschmerz, Beweglichkeit, Kraft und Bewegungsmuster, etwa bei einer einbeinigen Kniebeuge. Bildgebung ist nicht routinemässig nötig. Sie kommt infrage, wenn das Knie nach einem Unfall schmerzt, deutlich anschwillt, blockiert oder wegknickt. Dann müssen andere Ursachen wie ein Meniskusriss oder eine Kniescheibenluxation geprüft werden.
Wie wird es behandelt?
Am besten belegt ist gezieltes Training. Ein Cochrane-Review fand Hinweise, dass Übungstherapie Schmerzen verringert und die Funktion verbessert, die Qualität der Studien war allerdings niedrig. Ein internationaler Konsens empfiehlt vor allem die Kombination von Hüft- und Kniekräftigung.
- Training von Hüft- und Oberschenkelmuskulatur unter Anleitung, etwa in der Physiotherapie
- Belastung vorübergehend anpassen statt komplett schonen
- schrittweiser Wiederaufbau von Laufen und Sprüngen
- Fussorthesen kurzfristig, wenn sie spürbar entlasten
- Tape oder Bandage als mögliche Ergänzung, die Datenlage ist unsicher
Passive Massnahmen allein, etwa Mobilisationen oder physikalische Geräte, werden nicht als alleinige Behandlung empfohlen.
Kann TCM ergänzend helfen?
Im genannten Konsens wird der Nutzen von Akupunktur und Dry Needling beim patellofemoralen Schmerz als unsicher eingestuft. Ein Akupunkturversuch kann deshalb höchstens ergänzend besprochen werden, wenn Schmerzen das Training erschweren. Er ersetzt das aktive Übungsprogramm nicht.
Wann ärztlich abklären?
- Knie schwillt nach einem Unfall rasch an
- Knie blockiert, knickt weg oder lässt sich nicht strecken
- Kniescheibe ist herausgesprungen
- Rötung, Überwärmung oder Fieber
- Schmerzen in Ruhe oder nachts bei Kindern und Jugendlichen, Hinken
Nächster Schritt
Lass dir ein Übungsprogramm zeigen und dokumentiere, welche Belastung wie viel Schmerz auslöst. Hinweise zu weiteren Ursachen findest du unter Knieschmerzen. Wenn du nach der Diagnose ergänzend einen Behandlungsversuch besprechen möchtest, hilft der Praxisfinder.
Häufige Fragen
Darf ich mit patellofemoralem Schmerz weiter Sport machen?
Meist ja, mit angepasster Belastung. Wie viel Schmerz beim Training vertretbar ist, legst du mit der Fachperson fest.
Ist das Knieknirschen gefährlich?
Nicht für sich allein. Viele Menschen haben Geräusche ohne Beschwerden.
Wie lange dauert es, bis es besser wird?
Oft mehrere Wochen bis Monate konsequentes Training. Bei manchen Betroffenen kehren die Beschwerden wieder.
