Eine Plica ist eine Falte der Gelenkinnenhaut, die fast jeder im Knie hat. Beim Plica-Syndrom wird meist die innere Falte durch Überlastung oder eine Verletzung gereizt, verdickt sich und klemmt beim Beugen zwischen Kniescheibe und Oberschenkel ein: Schmerz innen oberhalb des Gelenkspalts, Schnappen, Klicken. Eine im MRT sichtbare Plica ist in der Regel ein Zufallsbefund und keine Diagnose. Behandelt wird mit Belastungsanpassung und Physiotherapie; eine Arthroskopie ist die Ausnahme.
Was ist ein Plica-Syndrom?
Das Knie hat vier solche Falten: oberhalb, innen und unterhalb der Kniescheibe sowie selten aussen. Sie sind bei über 70 Prozent der Menschen vorhanden, dünn, elastisch und ohne Beschwerden. Wird eine Falte durch eine Entzündung dick, straff und narbig, kann sie sich bei etwa 70 bis 100 Grad Beugung wie eine Saite über den Oberschenkelknochen spannen und zwischen Kniescheibe und Rinne eingeklemmt werden. Dann spricht man vom Plica-Syndrom; betroffen ist fast immer die mediopatellare, also innere Falte.
Wichtig ist die Abgrenzung. Das patellofemorale Schmerzsyndrom ist der häufigere Grund für Schmerz vorne am Knie; die Plica ist eine mögliche, nicht die übliche Ursache. Ein Meniskusriss macht ähnliche Schnapp- und Blockadegefühle; stehen Blockaden und scharfer Schmerz im Vordergrund, wird er zuerst ausgeschlossen. Knacken ohne Schmerz ist normal und kein Syndrom. Eine Plica am Ellbogen ist ein anderes Krankheitsbild.
Typische Beschwerden
- Schmerz vorne innen am Knie, oberhalb des Gelenkspalts, beim Treppensteigen, in der Hocke, beim Aufstehen nach langem Sitzen
- Schmerz nach langem Sitzen mit gebeugtem Knie, etwa im Kino oder nachts
- Schnappen, Klicken, Reiben oder ein Nachgeben beim Beugen und Strecken
- tastbarer, druckempfindlicher Strang innen neben der Kniescheibe
- zeitweise Schwellung und Steifheit; oft beide Knie, nicht immer gleichzeitig
Ursachen
Meist findet sich kein klarer Auslöser. Begünstigend wirken wiederholtes Beugen und Strecken unter Last (Laufen, Rudern, Kniebeugen), ein Stoss oder eine Verdrehung mit Erguss, nach der die Falte vernarbt, eine schwache Oberschenkelmuskulatur oder Muskelungleichgewicht und bei Jugendlichen der Wachstumsschub. Jede Reizung der Gelenkinnenhaut kann die Falte sekundär verändern: rheumatoide Arthritis, Einblutungen, Arthrose oder ein Meniskusschaden. Differenzialdiagnosen sind Meniskusriss, Knorpelschaden hinter der Kniescheibe, Kniescheibeninstabilität, Hoffa-Fettkörperreizung und entzündliche Gelenkerkrankungen.
Wie wird abgeklärt?
Die Diagnose ist klinisch. Die Ärztin tastet die Falte mit der Fingerkuppe über dem inneren Oberschenkelknorren, vergleicht mit dem anderen Knie und prüft, ob das den bekannten Schmerz auslöst. Provokationstests stützen den Verdacht, sind einzeln aber unzuverlässig. Ein Röntgenbild im Stehen dient dem Ausschluss von Knochenursachen; die Plica selbst ist darauf nicht sichtbar. Ultraschall und MRT zeigen eine Falte und ihre Dicke, können aber nicht sagen, ob sie die Beschwerden verursacht; das MRT dient vor allem dem Ausschluss von Meniskus- und Knorpelschäden. Eine Arthroskopie nur zur Diagnose wird nicht empfohlen.
Wie wird behandelt?
- Belastung anpassen: Springen, tiefe Hocke und Ausfallschritte reduzieren; aktiv bleiben mit Schwimmen oder Crosstrainer
- Kühlen, Hochlagern in der akuten Phase; Paracetamol oder Ibuprofen als Gel oder Tablette nach Absprache
- Physiotherapie: Kräftigung des Quadrizeps, besonders des inneren Anteils, Dehnung der Beuger; Übungstherapie ist bei vorderem Knieschmerz gut belegt, speziell zur Plica fehlen grosse Studien
- Tape und Bandagen: ohne nachgewiesenen Nutzen; Bandagen, die vorne auf das Knie drücken, können die Beschwerden verstärken
- Kortisonspritze ins Gelenk allenfalls als Ergänzung, damit Übungen möglich werden; sie behebt die Ursache nicht
- Arthroskopische Entfernung der Falte erst nach drei bis sechs Monaten konsequenter konservativer Behandlung und bei klarer Diagnose. Die Ergebnisse sind dann gut, rund 10 Prozent behalten Beschwerden. Eine nur zufällig gesehene Falte wird nicht «nebenbei» entfernt
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur beim Plica-Syndrom haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Studien zur Akupunktur bei Kniearthrose oder bei allgemeinem Knieschmerz betreffen andere Diagnosen und lassen sich nicht übertragen. Wenn Meniskus und Knorpel abgeklärt sind und die Diagnose steht, kann ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung besprochen werden. Nadeln machen eine verdickte Falte nicht wieder elastisch und ersetzen bei anhaltenden Beschwerden keine Arthroskopie; die Grundlage bleibt die Kräftigung.
Wann zeitnah abklären?
- Sofort in die Notfallstation (bei Gehunfähigkeit Notruf 144): Verletzung mit rasch zunehmender Schwellung oder Bluterguss; echte Blockade, das Knie lässt sich nicht mehr strecken oder beugen; heisses, gerötetes Knie mit Fieber
- Noch heute ärztlich (Hausärztin, Notfallpraxis oder Notfallstation): wiederholtes Wegknicken nach einer Verletzung; Knieschmerz mit Hinken bei Kindern unter zehn Jahren
- Zeitnah in die Sprechstunde: Gefühl der Instabilität ohne Verletzung; keine Besserung nach drei bis sechs Monaten konsequenter Physiotherapie
Nächster Schritt
Bei echter Blockade, rascher Schwellung nach Verletzung oder heissem Knie mit Fieber sofort in die Notfallstation. Sonst lass den vorderen Knieschmerz ärztlich einordnen und frage nach, ob eine Plica überhaupt die wahrscheinlichste Ursache ist. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Abklärung findest du über den Praxisfinder eine Praxis.
Häufige Fragen
Im MRT wurde eine Plica beschrieben. Ist das die Diagnose?
Nein. Falten sind bei den meisten Menschen vorhanden, und die Bildgebung kann nicht unterscheiden, ob eine Falte Beschwerden macht. Die Diagnose stellt die Ärztin klinisch, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen sind.
Muss die Plica operiert werden?
Selten. Die meisten Betroffenen werden mit Belastungsanpassung und Kräftigung beschwerdefrei. Eine arthroskopische Entfernung kommt infrage, wenn die Diagnose klar ist und drei bis sechs Monate konservative Behandlung nicht gereicht haben.
Darf ich weiter Sport machen?
Ja, in angepasster Form. Reduziere, was den Schmerz auslöst, meist Sprünge und tiefe Beugung, und bleib mit Schwimmen, Crosstrainer oder lockerem Velofahren aktiv.
