Ein Meniskusriss entsteht durch Verdrehen des Knies oder durch Verschleiss. Bei degenerativen Rissen ist angeleitetes Training einer Arthroskopie in Studien ebenbürtig. Eine echte Blockade, eine starke Schwellung nach Unfall oder wiederholtes Wegknicken gehören rasch ärztlich beurteilt.
Was ist ein Meniskusriss?
Die beiden Menisken sind halbmondförmige Knorpelscheiben zwischen Ober- und Unterschenkelknochen. Sie verteilen den Druck im Knie und stabilisieren das Gelenk. Ein Meniskusriss kann auf zwei Wegen entstehen: als Verletzung nach einer Verdrehung, meist bei jüngeren aktiven Menschen, oder als degenerativer Riss bei Verschleiss, oft ab dem mittleren Lebensalter und häufig zusammen mit beginnender Kniearthrose.
Typische Beschwerden
- Schmerzen am inneren oder äusseren Gelenkspalt
- Schwellung, manchmal erst nach Stunden
- Schmerz beim Drehen, Hocken oder Treppensteigen
- Gefühl von Einklemmen oder Wegknicken
- echte Blockade, wenn das Knie sich nicht mehr ganz strecken lässt
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin fragt nach dem Unfallhergang und prüft Druckschmerz, Beweglichkeit und Stabilität. Ein MRT kann den Riss zeigen. Wichtig: Bei mittelalten und älteren Menschen finden sich Meniskusrisse im MRT häufig auch ohne Knieschmerzen. Ein Befund erklärt deshalb nicht automatisch die Beschwerden. Nach einem Unfall prüft die Ärztin zusätzlich die Bänder, etwa das Kreuzband.
Wie wird ein Meniskusriss behandelt?
Degenerative Risse: Eine Studie aus Norwegen mit 140 Personen zwischen 35 und 60 Jahren fand nach zwei Jahren keinen relevanten Unterschied zwischen zwölf Wochen angeleitetem Training und einer Teilentfernung des Meniskus per Arthroskopie. Eine internationale Leitlinie im BMJ rät bei degenerativen Kniebeschwerden, auch mit Meniskusriss, fast immer von der Arthroskopie ab. Ausdrücklich nicht gemeint sind ein objektiv blockiertes Knie, das sich nicht ganz strecken lässt, Sportverletzungen bei Jüngeren und schwere Knieverletzungen.
Verletzungsbedingte Risse bei Jüngeren: In einer Studie mit 100 Personen zwischen 18 und 45 Jahren und isolierten Rissen ohne Arthrose war eine frühe Teilentfernung nach 24 Monaten nicht besser als Physiotherapie mit der Option, später zu operieren. Rund vier von zehn aus der Physiotherapie-Gruppe liessen sich später operieren. Nicht untersucht wurden blockierte Knie, nähbare Risse und Risse mit Kreuzbandverletzung; hier entscheidet die Orthopädie im Einzelfall über eine Operation.
Zur konservativen Behandlung gehören:
- angeleitetes Kraft- und Stabilitätstraining, etwa in der Physiotherapie
- Belastung anpassen, Drehbewegungen vorübergehend reduzieren
- Kühlen und Schmerzmittel nach Absprache in der akuten Phase
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur beim Meniskusriss gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ein ergänzender Versuch kann bei Schmerzen während des Trainingsaufbaus besprochen werden. Er ersetzt weder das Übungsprogramm noch eine Operation, wenn diese angezeigt ist.
Wann rasch abklären?
- Knie blockiert und lässt sich nicht strecken
- starke Schwellung direkt nach einem Unfall
- Knie gibt wiederholt nach
- du kannst das Bein nicht belasten
- Rötung, Überwärmung, Fieber oder geschwollene, schmerzhafte Wade
Nächster Schritt
Lass das Knie nach einem Unfall ärztlich untersuchen und frage nach den Chancen eines konservativen Wegs. Einen Überblick über weitere Ursachen gibt die Seite Knieschmerzen. Wenn du ergänzend einen Behandlungsversuch besprechen möchtest, hilft der Praxisfinder.
Häufige Fragen
Heilt ein Meniskusriss von selbst?
Ob der Riss verheilt, hängt von Art und Lage ab. In den Studien besserten sich die Beschwerden auch ohne frühe Operation deutlich.
Muss ein Meniskusriss operiert werden?
Nicht immer. Bei degenerativen Rissen ist Training meist der erste Schritt. Bei einer echten Blockade, nähbaren Rissen oder Begleitverletzungen entscheidet die Orthopädie, ob operiert wird.
Bedeutet ein Riss im MRT, dass er die Schmerzen verursacht?
Nicht zwingend. Vor allem ab dem mittleren Alter sind Meniskusrisse auch bei beschwerdefreien Menschen häufig.
Quellen
- Siemieniuk et al. 2017: Arthroscopic surgery for degenerative knee arthritis and meniscal tears, a clinical practice guideline, BMJ
- Kise et al. 2016: Exercise therapy versus arthroscopic partial meniscectomy for degenerative meniscal tear, BMJ
- Englund et al. 2008: Incidental meniscal findings on knee MRI in middle-aged and elderly persons, New England Journal of Medicine
- van der Graaf et al. 2022: Arthroscopic partial meniscectomy versus physical therapy for traumatic meniscal tears in a young study population, British Journal of Sports Medicine
