Blut-Stase in der TCM
Diese Seite erklärt ein Konzept der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es handelt sich um ein traditionelles Einordnungsmodell, nicht um einen anatomischen oder biomedizinischen Fakt und nicht um eine schulmedizinische Diagnose. Bei Warnzeichen gilt: zuerst zur Ärztin, siehe Wann sollte ich zuerst zum Arzt?
Kurz erklärt
Blut-Stase ist ein traditionelles Muster der Chinesischen Medizin. Es beschreibt innerhalb des TCM-Modells eine beeinträchtigte oder stockende Bewegung von Xue, dem traditionellen Konzept des Blutes.
Der Begriff darf nicht mit einer Thrombose, einem Gefässverschluss oder einer medizinisch diagnostizierten Durchblutungsstörung gleichgesetzt werden.
Was das traditionelle Konzept meint
Im traditionellen TCM-Modell soll Xue den Körper versorgen und sich in geordneten Bahnen bewegen.
Von Blut-Stase spricht die traditionelle Musterlehre, wenn diese Bewegung als beeinträchtigt oder blockiert eingeordnet wird.
Traditionell werden dabei verschiedene Beobachtungen gemeinsam bewertet. Dazu können je nach Gesamtbild beispielsweise gehören:
- Art und Lokalisation von Beschwerden
- zeitlicher Verlauf
- Zungenbefund
- Pulsbefund
- Menstruationsanamnese
- vorausgegangene Verletzungen oder Belastungen
In traditionellen Beschreibungen werden insbesondere klar lokalisierte oder als fixiert wahrgenommene Beschwerden häufig mit Blut-Stase in Verbindung gebracht.
Das ist eine TCM-Einordnung und kein Nachweis einer körperlichen Gefässblockade.
Wie es in der TCM-Praxis verwendet wird
In der Praxis wird Blut-Stase als Teil einer umfassenderen Musterdiagnostik betrachtet.
Dabei wird unter anderem gefragt, wodurch die traditionelle Vorstellung einer Stagnation entstanden sein könnte.
Qi-Stagnation und Blut-Stase sind eng verwandt, aber nicht identisch.
Qi-Stagnation beschreibt innerhalb der TCM eine beeinträchtigte Bewegung von Qi. Blut-Stase bezieht sich auf Xue.
Traditionell kann eine länger bestehende Stagnation von Qi mit einer Stase von Blut in Verbindung gebracht werden. Trotzdem sollten beide Muster anhand des Gesamtbildes unterschieden werden.
Auch Blut-Mangel ist ein eigenes Konzept. Mangel beschreibt eine unzureichende Versorgung, Stase eine beeinträchtigte Bewegung.
Was es nicht bedeutet
Blut-Stase ist keine medizinische Diagnose einer Durchblutungsstörung.
Der Begriff ist insbesondere nicht gleichbedeutend mit:
- Thrombose
- Embolie
- Gefässverschluss
- Gerinnungsstörung
- arterieller oder venöser Durchblutungsstörung
- nachgewiesenem Blutgerinnsel
Eine TCM-Einordnung als Blut-Stase kann keine Untersuchung von Blutgefässen oder Gerinnung ersetzen.
Akute Beschwerden, die zu einer Gefässerkrankung passen könnten, dürfen deshalb nicht mit dem traditionellen Musterbegriff erklärt oder abgewartet werden.
Die moderne medizinische Perspektive
Blut-Stase gehört zur traditionellen chinesischen Musterlehre.
Die Vorstellung einer Stagnation von Xue ist ein historisches TCM-Konzept und keine biomedizinisch definierte Gefässdiagnose.
Forschung zu TCM-Verfahren oder zu einzelnen Erkrankungen sollte nicht als Nachweis verstanden werden, dass das traditionelle Muster Blut-Stase mit einer bestimmten medizinischen Gefässerkrankung identisch ist.
Was das für dich praktisch heisst
Innerhalb der TCM kann das Muster verwendet werden, um bestimmte traditionelle Befunde und den Verlauf einer Behandlung zu strukturieren.
Besonders wichtig ist bei diesem Begriff jedoch die medizinische Abgrenzung.
«Stase» klingt im Deutschen schnell nach einer tatsächlichen Blockade des Blutflusses. Genau das lässt sich aus einer TCM-Musterdiagnose nicht ableiten.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Akute einseitige Beinschwellung oder starke einseitige Beinschmerzen, plötzlich auftretende Atemnot, Brustschmerzen oder akute neurologische Ausfälle müssen medizinisch beurteilt werden.
Auch neue, starke oder ungewöhnlich anhaltende Schmerzen sollten nicht allein mit «Blut-Stase» erklärt werden.