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Pes-anserinus-Bursitis: Beschwerden, Abklärung und Behandlung

Die Pes-anserinus-Bursitis ist eine Reizung des Schleimbeutels an der Knieinnenseite, wo drei Sehnen am Schienbein ansetzen. Sie wird fast immer ohne Operation behandelt.

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Kurz gesagt

Die Pes-anserinus-Bursitis ist eine Reizung des Schleimbeutels an der Knieinnenseite, einige Zentimeter unterhalb des Gelenkspalts, wo drei Sehnen am Schienbein ansetzen. Typisch sind Druckschmerz genau an dieser Stelle, Schmerz beim Treppensteigen und Steifheit nach langem Sitzen. Sie tritt gehäuft bei Läuferinnen, bei Kniearthrose, Übergewicht und Diabetes auf. Behandelt wird fast immer ohne Operation: Belastung anpassen, kühlen, dehnen, bei Bedarf Spritze.

Was ist eine Pes-anserinus-Bursitis?

An der Innenseite des Schienbeinkopfs setzen drei Sehnen fächerförmig an: Sartorius, Gracilis und Semitendinosus. Weil der Ansatz einem Gänsefuss ähnelt, heisst er Pes anserinus. Zwischen den Sehnen und dem Knochen liegt ein Schleimbeutel, der die Reibung verringert. Wird er durch wiederholte Belastung gereizt, produziert er mehr Flüssigkeit, schwillt an und schmerzt: die Pes-anserinus-Bursitis (Bursitis anserina).

Ob dabei eher der Schleimbeutel, die Sehnenansätze oder beides gereizt sind, ist in der Fachliteratur umstritten; der breitere Begriff dafür ist «Pes-anserinus-Syndrom». Diese Seite behandelt die abgeklärte Schleimbeutelreizung. Wie Schleimbeutel allgemein funktionieren und wann eine Infektion dahintersteckt, erklärt die Seite Schleimbeutelentzündung. Die Bursitis ist eine von vielen Ursachen für Knieschmerzen an der Innenseite; sie ist weder ein Meniskusriss noch eine Gonarthrose, kommt mit der Arthrose aber häufig zusammen vor.

Typische Beschwerden

  • Schmerz und Druckempfindlichkeit an der Knieinnenseite, etwa fünf bis sieben Zentimeter unterhalb des Gelenkspalts, langsam zunehmend
  • Schmerz beim Treppensteigen, Aufstehen vom Stuhl und beim Sport
  • Steifheit oder Schmerz nach langem Sitzen mit gebeugten Knien
  • leichte Schwellung über dem Ansatz, nachts Schmerz, wenn die Knie aneinanderliegen

Ursachen

Meist ist es eine Überlastung durch wiederholte Reibung: Laufen, Velofahren, Schwimmen oder Sportarten mit Richtungswechseln wie Fussball und Tennis. Trainingsfehler wie zu schnell gesteigerte Kilometer, Berglauf oder fehlendes Dehnen begünstigen sie, ebenso verkürzte hintere Oberschenkelmuskeln, X-Beine, Plattfüsse und Übergewicht. Häufig begleitet sie eine Kniearthrose: In einer Ultraschallstudie mit 157 Frauen mit beidseitiger Gonarthrose wurde an 58 Prozent der Knie klinisch eine Pes-anserinus-Reizung festgestellt. Auch Diabetes gilt als Risikofaktor. Ähnlich schmerzen können ein Innenmeniskusriss, eine Innenbandverletzung, eine Stressreaktion des Schienbeinkopfs und die Arthrose selbst.

Wie wird abgeklärt?

Die Diagnose stellt die Ärztin meist durch die Untersuchung: Der Druckschmerz sitzt nicht auf dem Gelenkspalt, sondern deutlich darunter am Sehnenansatz, und die Meniskus- und Bandtests sind unauffällig. Ein Ultraschall kann den gefüllten Schleimbeutel und verdickte Sehnenansätze zeigen. Ein Röntgenbild klärt eine begleitende Arthrose, eine MRT nur den Verdacht auf Meniskus- oder Bandverletzung oder Stressfraktur. Bei Rötung oder Fieber wird Flüssigkeit punktiert, um Infektion und Gicht auszuschliessen.

Wie wird behandelt?

  • Belastung anpassen: auslösende Sportart pausieren oder durch eine andere ersetzen, bis der Druckschmerz abklingt; Trainingsumfang danach schrittweise aufbauen
  • Kühlen bis 20 Minuten, drei- bis viermal täglich, nie direkt auf der Haut
  • Schmerzmittel: Ibuprofen oder Naproxen als Tablette oder Diclofenac-Gel, zeitlich begrenzt und nach Absprache
  • Physiotherapie: Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur, Kräftigung von Hüfte und Oberschenkel, Korrektur der Beinachse beim Laufen (Physiotherapie)
  • Kissen zwischen den Knien beim Seitenliegen; Gewicht reduzieren, wo es eine Rolle spielt
  • Kortisonspritze in den Schleimbeutel, wenn die Beschwerden anhalten; sie wirkt oft rasch, ersetzt aber die Belastungsanpassung nicht
  • Begleitende Arthrose mitbehandeln; eine Operation am Schleimbeutel ist die seltene Ausnahme

Kann TCM ergänzend helfen?

Zur Akupunktur bei Pes-anserinus-Bursitis haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Studien zur Akupunktur bei Kniearthrose betreffen das Gelenk und nicht den Schleimbeutel; sie lassen sich nicht übertragen, auch wenn beides oft zusammen auftritt. Ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung kann besprochen werden, wenn die Diagnose steht und eine Infektion ausgeschlossen ist. In einen geschwollenen, geröteten Schleimbeutel wird nicht genadelt. Akupunktur entleert den Schleimbeutel nicht und ändert nichts an Trainingsfehlern oder Beinachse; Belastungsanpassung, Dehnung und Kräftigung bleiben die Grundlage.

Wann zeitnah abklären?

  • Sofort in die Notfallstation (bei Gehunfähigkeit Notruf 144): Verdrehung oder Sturz mit rasch anschwellendem Knie, das sich nicht mehr belasten lässt; heisses, gerötetes Knie mit Fieber oder Schüttelfrost (mögliche Infektion von Schleimbeutel oder Gelenk)
  • Noch heute ärztlich (Hausärztin, Notfallpraxis oder Notfallstation): Rötung und Überwärmung ohne Fieber; Blockierung, Einklemmen oder Wegknicken; Knie lässt sich nicht mehr ganz strecken
  • Zeitnah in die Sprechstunde: keine Besserung nach zwei Wochen Selbstbehandlung; immer wiederkehrende Beschwerden

Nächster Schritt

Bei heissem, gerötetem Knie mit Fieber oder nach einer Verdrehung mit rascher Schwellung noch heute in die Notfallstation. Sonst reduziere die auslösende Belastung, kühle die Stelle und lass das Knie ärztlich untersuchen, wenn der Schmerz nach zwei Wochen bleibt. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Abklärung findest du über den Praxisfinder eine Praxis.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich die Bursitis von einem Meniskusriss?

Der Druckschmerz der Bursitis liegt einige Zentimeter unterhalb des Gelenkspalts auf dem Schienbein; ein Innenmeniskusriss schmerzt auf dem Gelenkspalt selbst und macht oft Blockierungen oder einen Erguss im Gelenk. Sicher unterscheiden kann das nur die Untersuchung, bei Bedarf mit Ultraschall oder MRT.

Warum tritt sie bei Kniearthrose so oft auf?

Bei Arthrose verändern sich Beinachse und Gangbild, die Sehnen am Pes anserinus werden stärker belastet und verdicken sich. In einer Ultraschallstudie war der Ansatz bei Arthrose dicker als bei Gesunden, und je ausgeprägter die Arthrose, desto dicker die Sehne. Beides wird dann gemeinsam behandelt.

Hilft eine Kortisonspritze dauerhaft?

Sie bringt oft rasch Linderung, behebt aber nicht den Grund der Reizung. Ohne Anpassung von Training, Dehnung und Beinachse kommen die Beschwerden häufig zurück.

Quellen

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