Von einer sekundären Amenorrhoe spricht man, wenn eine zuvor regelmässige Periode drei Monate oder eine zuvor unregelmässige Periode sechs Monate ausbleibt. Mögliche Ursachen sind eine Schwangerschaft, ein Energiemangel durch wenig Essen, viel Sport oder Stress, ein erhöhtes Prolaktin, ein PCOS, Schilddrüsenerkrankungen oder eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache; eine pauschale «Hormonregulation» gibt es nicht.
Was ist eine sekundäre Amenorrhoe?
Amenorrhoe heisst Ausbleiben der Periode. Sekundär bedeutet, dass die Periode früher schon da war: Eine zuvor regelmässige Periode bleibt drei Monate aus, eine zuvor unregelmässige sechs Monate. Davon zu unterscheiden ist die primäre Amenorrhoe, bei der die erste Periode bis zum Alter von 15 Jahren ausbleibt.
Unregelmässige, sehr kurze oder lange Zyklen behandelt die Seite Zyklusbeschwerden, Regelschmerzen die Seite Menstruationsbeschwerden. Ab etwa 45 Jahren kann ein Ausbleiben der Periode auch den Beginn der Wechseljahre anzeigen. Hormonelle Verhütung wie Pille, Spritze oder Hormonspirale kann die Blutung ebenfalls schwächer werden oder ausbleiben lassen.
Mögliche Ursachen
- Schwangerschaft und Stillzeit: die häufigste Erklärung, deshalb immer zuerst ausschliessen
- Funktionelle hypothalamische Amenorrhoe: Das Gehirn drosselt die Zyklussteuerung bei Energiemangel, etwa durch wenig Essen, Gewichtsverlust, viel Sport, Stress oder eine Kombination davon. Sie wird erst festgestellt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind.
- Erhöhtes Prolaktin: zum Beispiel durch Medikamente oder einen meist gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse; mehr unter Prolaktin erhöht
- PCOS (neu auch PMOS genannt): mehr unter PCOS
- Schilddrüsenerkrankungen: eine Unter- oder Überfunktion, siehe Schilddrüsenunterfunktion
- Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI): Die Eierstöcke lassen vor dem 40. Lebensjahr in ihrer Funktion nach. Nach der europäischen Leitlinie von 2024 betrifft das rund 3,5 Prozent der Frauen.
- Verwachsungen in der Gebärmutter: etwa nach Eingriffen an der Gebärmutterschleimhaut
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten
Wie wird abgeklärt?
- Schwangerschaftstest: immer zuerst
- Gespräch: Zyklusverlauf, Gewicht und Essverhalten, Sport, Belastungen, Medikamente und Verhütung, Milchfluss aus der Brust, Kopfschmerzen oder Sehstörungen, Hitzewallungen
- Untersuchung: Gewicht und Body-Mass-Index, Zeichen vermehrter männlicher Hormone wie verstärkte Behaarung oder Akne
- Blutwerte: unter anderem FSH, LH, Prolaktin, TSH und Östradiol, je nach Situation auch AMH und männliche Hormone. Für die Diagnose einer POI genügt nach der Leitlinie von 2024 ein einmalig erhöhter FSH-Wert über 25 IE/l; bei unklarem Befund können eine Wiederholung oder ein AMH-Wert nötig sein.
- Je nach Befund: Ultraschall von Gebärmutter und Eierstöcken, eine MRT der Hirnanhangsdrüse bei erhöhtem Prolaktin oder Warnzeichen, eine Knochendichtemessung nach sechs oder mehr Monaten ohne Periode
Spezialisierte Abklärungen bieten in der Schweiz Sprechstunden für gynäkologische Endokrinologie an, etwa am Universitätsspital Zürich, auf Zuweisung oder nach Anmeldung.
Wie wird behandelt?
- Energiemangel (hypothalamische Amenorrhoe): mehr und ausgewogener essen, das Training reduzieren, oft ist eine Gewichtszunahme nötig; psychologische Unterstützung kann helfen. Die Pille wird nicht allein dafür empfohlen, die Blutung zurückzuholen oder die Knochen zu schützen: Sie erzeugt eine Abbruchblutung, behebt aber die Ursache nicht.
- Vorzeitige Ovarialinsuffizienz: Hormontherapie bis etwa zum natürlichen Alter der Wechseljahre, dazu Calcium, Vitamin D und Bewegung für die Knochen
- Erhöhtes Prolaktin: je nach Ursache Medikamente absetzen oder anpassen, Behandlung eines Prolaktinoms mit Medikamenten oder selten mit einer Operation
- PCOS, Schilddrüse, Verwachsungen: gezielte Behandlung der jeweiligen Ursache
Eine länger ausbleibende Periode ist nicht nur eine Frage des Zyklus: Ein dauerhaft niedriger Östrogenspiegel kann die Knochen schwächen, und auch die Fruchtbarkeit ist betroffen. Bei Kinderwunsch siehe Kinderwunsch.
Kann TCM ergänzend helfen?
In einer PubMed-Suche am 29.10.2026 (sekundäre oder hypothalamische Amenorrhoe mit Akupunktur, Elektroakupunktur, Dry Needling, Moxibustion, Schröpfen oder chinesischen Arzneimitteln) fanden wir 6 Treffer: Einzelfallberichte und ältere Laborstudien zu Hormonwerten, aber keine kontrollierte Studie zu Behandlungsergebnissen. Eine Auswertung chinesischer Studien zu Kräutern bei Amenorrhoe durch Psychopharmaka verzichtete auf Kontrollgruppen und betrifft eine spezielle Ursache. Studien zu PCOS betreffen eine andere Diagnose und lassen sich nicht übertragen. Ob Akupunktur oder chinesische Arzneimittel bei sekundärer Amenorrhoe helfen, lässt sich damit nicht beurteilen. Eine ergänzende Behandlung darf die Ursachenabklärung nicht verzögern; vor allem ein Energiemangel, ein Prolaktinom oder eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz brauchen eine gezielte Behandlung.
Wann zeitnah abklären?
- Noch heute ärztlich: bei starkem Untergewicht Schwindel, Ohnmachtsgefühl oder ein sehr langsamer Puls
- Zeitnah ärztlich: starke oder anhaltende Kopfschmerzen, Sehstörungen, anhaltendes Erbrechen, starker Durst oder vermehrtes Wasserlassen; Milchfluss aus der Brust ohne Stillen; rasch zunehmende Behaarung oder eine tiefer werdende Stimme
- In die Sprechstunde: die Periode bleibt drei Monate aus (bei zuvor unregelmässigem Zyklus sechs Monate), auch wenn sonst keine Beschwerden bestehen; Hitzewallungen vor dem 40. Lebensjahr
Nächster Schritt
Mach einen Schwangerschaftstest und lass das Ausbleiben der Periode gynäkologisch oder hausärztlich abklären. Notiere dir vorher, wann die letzte Periode war und ob sich Gewicht, Training, Belastungen oder Medikamente verändert haben.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?
Wenn die Periode drei Monate ausbleibt, obwohl sie vorher regelmässig war, oder sechs Monate bei vorher unregelmässigem Zyklus. Früher, wenn Warnzeichen dazukommen. Ein Schwangerschaftstest gehört immer an den Anfang.
Kann Sport die Periode stoppen?
Ja. Viel Training zusammen mit zu wenig Energie aus der Nahrung kann zu einer hypothalamischen Amenorrhoe führen. Behandelt wird der Energiemangel, oft mit mehr Essen und weniger Training; die Knochen profitieren davon ebenfalls.
Bringt die Pille die Periode zurück?
Die Pille löst eine Abbruchblutung aus, behebt aber nicht die Ursache. Bei einer hypothalamischen Amenorrhoe wird sie deshalb nicht allein dafür empfohlen und kann das Wiedereinsetzen der eigenen Periode verdecken.
Quellen
- Klein, Paradise, Reeder 2019: Amenorrhea: A Systematic Approach to Diagnosis and Management, American Family Physician
- Gordon et al. 2017: Functional Hypothalamic Amenorrhea, Leitlinie der Endocrine Society, J Clin Endocrinol Metab
- ESHRE, ASRM, CRE WHiRL, IMS 2024: Evidence-based guideline: premature ovarian insufficiency, Hum Reprod Open (Abstract)
- Universitätsspital Zürich: Sprechstunde Gynäkologische Endokrinologie und Zyklusunregelmässigkeiten
- NHS: Missed or late periods (Patienteninformation)
- Liu et al. 2022: Traditional Chinese herbal medicine in treating amenorrhea caused by antipsychotic drugs, J Ethnopharmacol (Abstract)
