Wann ist deine Praxis bereit für den zweiten Therapeuten?

Ein freies Zimmer ist noch kein Grund, jemanden einzustellen. Die bessere Frage lautet: Hast du genug wiederkehrende Nachfrage, damit eine zweite Person sinnvoll ausgelastet werden kann?

Wachstum7 Min. LesezeitAktualisiert 30. September 2026TCM.ch Praxisteam

Kurzantwort

Stell nicht ein, weil du wachsen möchtest. Stell ein, weil deine bestehende Nachfrage wiederholt mehr Kapazität braucht als du selbst anbieten kannst. Idealerweise siehst du diese Überlastung über mehrere Wochen oder Monate und nicht nur während einer besonders guten Woche.

Der zweite Therapeut löst kein Nachfrageproblem

Wenn deine eigene Agenda halb leer ist, wird ein zweiter Therapeut das Problem meistens nicht lösen.

Du hast danach dieselbe Nachfrage, aber mehr verfügbare Termine und höhere Fixkosten.

Deshalb gilt:

Erst Nachfrage. Dann Kapazität.

Woran erkennst du, dass Kapazität knapp wird?

Ein einzelner voller Dienstag reicht nicht.

Interessanter sind wiederkehrende Signale:

  • neue Patient:innen müssen regelmässig lange warten
  • du kannst gewünschte Termine wiederholt nicht anbieten
  • du behandelst bereits nahe an deiner gewünschten persönlichen Kapazität
  • du lehnst Anfragen ab oder verlierst sie an andere Praxen
  • deine Agenda bleibt auch ausserhalb einzelner Spitzenwochen stark

Das sind bessere Signale als ein Bauchgefühl.

Berechne zuerst deine aktuelle Kapazität

Nehmen wir ein einfaches Beispiel.

Du behandelst vier Tage pro Woche und möchtest maximal acht Patient:innen pro Tag sehen.

Dann liegt deine theoretische Wochenkapazität bei 32 Behandlungen.

Entscheidend ist jetzt:

  • Wie viele davon sind tatsächlich belegt?
  • Wie stabil ist diese Auslastung?
  • Wie viele neue Patient:innen kommen nach?
  • Wie viele bestehende Patient:innen beenden ihre Behandlung?

Unser Praxisrechner hilft dir bei der Grundrechnung.

Wann würde ich noch nicht einstellen?

Zum Beispiel wenn:

  • deine Auslastung nur saisonal hoch ist
  • du erst seit zwei Wochen voll bist
  • neue Patient:innen deutlich zurückgehen
  • du selbst noch viele freie Termine hast
  • die neue Stelle nur funktioniert, wenn sofort perfekte Auslastung erreicht wird

Eine neue Person braucht Zeit.

Wenn dein Modell nur bei 100 Prozent Auslastung funktioniert, ist das Modell wahrscheinlich zu knapp.

Wie viel Nachfrage braucht der neue Therapeut?

Das hängt von Pensum, Behandlungspreis, Arbeitsmodell und Wiederholungsrate ab.

Wichtiger als eine allgemeine Schweizer Benchmark ist deshalb deine eigene Rechnung.

Beispiel:

Eine Therapeutin startet mit zwei Tagen pro Woche.

Das ist deutlich leichter zu füllen als eine sofortige 100-Prozent-Stelle.

Wenn die Nachfrage weiter wächst, kann das Pensum später erhöht werden.

Teilzeit kann beim Aufbau sinnvoll sein

Gerade bei einer neuen Rolle musst du nicht sofort fünf Tage Kapazität schaffen.

Ein möglicher Aufbau:

  1. zwei Behandlungstage starten
  2. bestehende Übernachfrage übertragen
  3. neue Patient:innen gezielt verteilen
  4. Auslastung beobachten
  5. dritten oder vierten Tag hinzufügen

So wächst die Kapazität mit der Nachfrage.

Fixlohn oder Umsatzbeteiligung?

Beides kann funktionieren.

Ein Fixlohn schafft Planbarkeit für die Mitarbeitenden und höheres Risiko für die Praxis.

Ein variables Modell verschiebt einen Teil dieses Risikos, muss aber transparent und arbeitsrechtlich sauber ausgestaltet sein.

Fragen, die vor Vertragsabschluss geklärt sein sollten:

  • Gibt es einen garantierten Grundlohn?
  • Wie wird ein variabler Anteil berechnet?
  • Was passiert bei Ferien und Krankheit?
  • Wer trägt Marketingkosten?
  • Wer zahlt Sozialabgaben?
  • Welche Arbeitszeit ist bezahlt?

Wer bringt die Patienten?

Das sollte ebenfalls klar sein.

Wenn du jemanden als Angestellten einstellst, sollte dein Unternehmen grundsätzlich in der Lage sein, Nachfrage mit aufzubauen.

Ein Stellenmodell, bei dem ein Therapeut gleichzeitig Mitarbeiter ist, aber seine komplette eigene Kundschaft mitbringen muss, sollte zumindest sehr klar erklärt und wirtschaftlich entsprechend gestaltet sein.

Onboarding wird oft unterschätzt

Der erste Arbeitstag sollte nicht aus «Hier ist dein Zimmer, viel Erfolg» bestehen.

Klär vorher:

  • Terminablauf
  • Dokumentation
  • Abrechnung
  • Versicherungsfragen
  • Telefonübergaben
  • klinische Standards
  • Red Flags
  • Patientenkommunikation
  • Vertretung

Wann wird aus einer Praxis ein Unternehmen?

Spätestens beim ersten Mitarbeiter.

Von diesem Moment an führst du nicht mehr nur Patienten. Du führst auch Menschen, Prozesse und Kosten.

Das ist ein anderer Berufsteil.

Wenn du darauf keine Lust hast, ist das völlig legitim. Dann ist eine starke Einzelpraxis möglicherweise das bessere Modell für dich.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den zweiten Therapeuten?

Wenn du über mehrere Wochen oder Monate Anfragen nicht bedienen kannst, obwohl du selbst nahe an deiner gewünschten Kapazität arbeitest. Eine einzelne volle Woche reicht nicht.

Soll ich direkt 100 Prozent einstellen?

Meistens nicht. Ein Start mit zwei Behandlungstagen ist leichter zu füllen. Wenn die Nachfrage mitwächst, erhöhst du das Pensum schrittweise.

Fixlohn oder Umsatzbeteiligung?

Beides kann funktionieren. Ein Fixlohn gibt der Mitarbeiterin Planbarkeit und dir mehr Risiko. Ein variabler Anteil verteilt das Risiko, muss aber transparent und arbeitsrechtlich sauber geregelt sein. Lass den Vertrag im Zweifel prüfen.

Was passiert, wenn die neue Person nicht voll wird?

Dann trägst du die Differenz. Plane deshalb so, dass das Modell auch bei tieferer Auslastung in den ersten Monaten aufgeht, und verteile neue Anfragen gezielt an die neue Person.

Wer sollte neue Patienten bekommen?

In der Aufbauphase gezielt die neue Person, vor allem Anfragen, die du selbst nicht zeitnah bedienen kannst. Bestehende Patient:innen wechselst du nur mit deren Einverständnis.

Du willst wachsen, aber nicht alles selbst aufbauen?

Im Partnermodell baut TCM.ch Nachfrage, Anfragen und Terminprozesse mit dir zusammen auf.

Partner werden

Auslastung berechnen

Hallo, hast du eine Frage? Schreib mir kurz. Yuna
Termin abklären
WhatsApp Anrufen