Die Psoriasis-Arthritis ist eine chronische Entzündung von Gelenken, Sehnenansätzen und Wirbelsäule im Zusammenhang mit Schuppenflechte. Typisch sind schmerzhafte, geschwollene Gelenke, «Wurstfinger» oder «Wurstzehen» und Nagelveränderungen. Die Diagnose stellt die Rheumatologie. Krankheitsmodifizierende Medikamente stehen im Zentrum der Behandlung; sie werden durch ergänzende Massnahmen nicht ersetzt.
Was ist eine Psoriasis-Arthritis?
Bei der Psoriasis-Arthritis richtet sich das Immunsystem nicht nur gegen die Haut, sondern auch gegen Gelenke, Sehnenansätze und manchmal die Wirbelsäule. Sie entwickelt sich bei einem Teil der Menschen mit Schuppenflechte, oft erst Jahre nach den ersten Hautstellen, gelegentlich aber auch davor oder ohne sichtbare Haut.
Die Erkrankung gehört zum Formenkreis Rheuma, unterscheidet sich aber von der rheumatoiden Arthritis: Sie befällt häufig einzelne Gelenke ungleich verteilt, die Endgelenke der Finger, ganze Finger oder Zehen und die Sehnenansätze. Die Hautseite bleibt bei der Schuppenflechte-Seite beschrieben; hier geht es um die Gelenke.
Typische Beschwerden
- Schmerz, Schwellung und Steifigkeit in einem oder mehreren Gelenken, morgens am stärksten, besser mit Bewegung
- gleichmässig geschwollene Finger oder Zehen («Wurstfinger», Daktylitis)
- Schmerz an Sehnenansätzen, etwa an der Ferse oder am Ellbogen
- Nagelveränderungen: Tüpfel, Verfärbung, Ablösung
- Rückenschmerz mit Morgensteifigkeit bei Befall der Wirbelsäule
- ausgeprägte Müdigkeit
Ursachen
Wie die Schuppenflechte ist die Psoriasis-Arthritis eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift körpereigenes Gewebe an. Warum manche Menschen mit Schuppenflechte eine Gelenkbeteiligung entwickeln und andere nicht, ist nicht geklärt; Veranlagung spielt eine Rolle. Rauchen kann die Beschwerden verschlimmern.
Wie wird abgeklärt?
Wiederkehrende Gelenkschmerzen mit Schwellung und Steifigkeit gehören zur Hausärztin, auch ohne bekannte Schuppenflechte. Bei Verdacht erfolgt die Überweisung in die Rheumatologie. Dort werden Gelenke, Sehnenansätze, Haut und Nägel untersucht, Blutwerte bestimmt, bei Bedarf Gelenkflüssigkeit untersucht und Gelenke mit Röntgen, Ultraschall oder MRT dargestellt. Abzugrenzen sind Arthrose, rheumatoide Arthritis und Gicht. Der Rheumafaktor ist bei der Psoriasis-Arthritis typischerweise negativ.
Wie wird behandelt?
- Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) als Tablette oder Gel bei leichten Beschwerden
- Kortisonspritze in ein einzelnes stark entzündetes Gelenk
- Krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs) bei mittleren bis schweren Verläufen; sie wirken erst nach Wochen bis Monaten und müssen regelmässig eingenommen werden
- Biologika und gezielte Wirkstoffe, wenn klassische DMARDs nicht genügen; internationale Empfehlungen richten die Wahl danach, welche Bereiche betroffen sind: Gelenke, Wirbelsäule, Sehnenansätze, Finger oder Zehen, Haut und Nägel
- Physiotherapie und Ergotherapie für Beweglichkeit, Kraft und Gelenkschutz im Alltag
- Selbst beitragen: regelmässige gelenkschonende Bewegung, Gewicht reduzieren, Rauchstopp, Alkohol einschränken, weil er die Medikamente beeinflussen kann
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur bei Psoriasis-Arthritis haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden. Sie ist keine Alternative zu DMARDs oder Biologika; wer die Rheumatherapie zugunsten ergänzender Verfahren pausiert, riskiert bleibende Gelenkschäden. Ein ergänzender Versuch zur Linderung von Schmerz oder Verspannung kann mit dem Rheumatologie-Team besprochen werden. Pflanzliche Präparate können mit Rheumamedikamenten wechselwirken und gehören deshalb vorab auf den Tisch.
Wann zeitnah abklären?
- plötzlich heisses, stark geschwollenes, gerötetes Gelenk, besonders mit Fieber (Infektion oder Gichtanfall)
- neue Gelenkschwellung oder Daktylitis bei bekannter Schuppenflechte
- Augenrötung mit Schmerz oder Sehstörung (mögliche Augenentzündung)
- Fieber, Infektzeichen oder unklare Beschwerden unter immunsuppressiver Behandlung
- Gelenkschmerz mit Schwellung, der immer wieder kommt, auch ohne Hautbefund
Nächster Schritt
Lass wiederkehrende Gelenkschmerzen mit Schwellung hausärztlich und rheumatologisch abklären, je früher, desto besser für die Gelenke. Wenn deine Behandlung steht und du ergänzend etwas gegen Schmerzen versuchen möchtest, besprich das mit dem Rheumatologie-Team; der Praxisfinder hilft bei der Suche nach einer Praxis.
Häufige Fragen
Kann Psoriasis auch die Gelenke betreffen?
Ja. Ein Teil der Menschen mit Schuppenflechte entwickelt eine Psoriasis-Arthritis mit Schmerz, Schwellung und Steifigkeit in Gelenken, an Sehnenansätzen oder an der Wirbelsäule. Haut und Gelenke sind nicht immer gleichzeitig aktiv.
Kann die Erkrankung ohne sichtbare Hautstellen auftreten?
Ja. Die Gelenkbeschwerden können vor den Hautstellen beginnen oder bei sehr diskretem Hautbefund, etwa nur an Kopfhaut, Nägeln oder in Hautfalten. Deshalb gehören Gelenkschwellungen auch ohne bekannte Schuppenflechte zur Abklärung.
Ersetzt ergänzende Behandlung die Rheumatherapie?
Nein. Krankheitsmodifizierende Medikamente bremsen die Entzündung und schützen die Gelenke; dafür gibt es keinen Ersatz. Ergänzende Verfahren können höchstens Schmerz oder Verspannung lindern und werden mit dem Rheumatologie-Team abgesprochen.
