Beim Hüftimpingement (femoroazetabuläres Impingement, FAI) stossen Hüftkopf und Pfannenrand wegen einer abweichenden Knochenform bei bestimmten Bewegungen aneinander. Typisch ist Leistenschmerz beim tiefen Beugen, Drehen oder langen Sitzen. Von einem Syndrom spricht man nur, wenn Beschwerden, Untersuchungsbefund und Bildgebung zusammenpassen; die Knochenform allein ist keine Diagnose. Behandelt wird zuerst mit angepasster Belastung und Physiotherapie, bei anhaltenden Beschwerden kommt eine Arthroskopie infrage.
Was ist ein Hüftimpingement (FAI)?
Die Hüfte ist ein Kugelgelenk: Der Hüftkopf sitzt in der Pfanne des Beckens, umrandet von einer Faserknorpellippe, dem Labrum. Beim femoroazetabulären Impingement hat der Hüftkopf eine Verdickung am Übergang zum Schenkelhals (Cam-Form), die Pfanne überdeckt den Kopf zu weit (Pincer-Form) oder beides. Beim Beugen und Eindrehen stösst Knochen an Knochen, dazwischen geraten Labrum und Knorpel unter Druck.
Damit ist das Hüftimpingement etwas anderes als das Impingement-Syndrom der Schulter, bei dem Sehnen und Schleimbeutel unter dem Schulterdach eingeengt werden; diese Seite betrifft nur die Hüfte. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung von Befund und Syndrom: Eine Cam- oder Pincer-Form im Röntgenbild haben viele Menschen, die nie Beschwerden bekommen. Nach dem Warwick-Konsens von 2016 liegt ein FAI-Syndrom erst vor, wenn passende Beschwerden, positive Untersuchungszeichen und ein entsprechender Bildbefund zusammenkommen. Ein Labrumriss ist eine mögliche Folge, kein anderes Wort dafür. Die Koxarthrose ist ein Knorpelverschleiss des ganzen Gelenks; weitere Ursachen ordnet die Seite Hüftschmerzen ein.
Typische Beschwerden
- Schmerz in der Leiste, seltener an der Aussenseite der Hüfte oder im Gesäss
- stechender Schmerz beim tiefen Hocken, Drehen, Aussteigen aus dem Auto oder Anziehen von Socken
- dumpfes Ziehen nach langem Sitzen oder Sport
- eingeschränkte Beweglichkeit, vor allem beim Beugen mit Eindrehen
- manchmal Klicken, Blockieren oder Hinken
Ursachen
Die Knochenform entsteht während des Wachstums. Sport löst das Impingement nicht aus, bringt die Beschwerden aber oft früher zum Vorschein, weil die Hüfte stärker belastet wird. Differenzialdiagnosen für Leistenschmerz sind die Adduktorentendinopathie, ein Leistenbruch, eine beginnende Koxarthrose, eine Hüftdysplasie (zu flache Pfanne) und ausstrahlender Schmerz aus der Lendenwirbelsäule. Schmerz an der Hüftaussenseite spricht eher für eine gluteale Tendinopathie.
Wie wird abgeklärt?
Die Ärztin fragt nach Auslösern und Sport, prüft die Beweglichkeit und führt den Impingement-Test durch: Das Knie wird zur Brust gebeugt und das Bein eingedreht; löst das den bekannten Leistenschmerz aus, ist der Test positiv. Das Röntgenbild zeigt die Knochenform und ob bereits Arthrosezeichen bestehen. Eine MRT, oft mit Kontrastmittel im Gelenk, stellt Labrum und Knorpel dar; eine CT bildet die Knochenform vor einer Operation im Detail ab. Bringt eine Betäubungsspritze ins Gelenk vorübergehend Schmerzfreiheit, spricht das dafür, dass der Schmerz aus dem Gelenk kommt.
Wie wird behandelt?
- Belastung anpassen: tiefe Hocke, lange Sitzphasen und Drehbewegungen unter Last vorübergehend reduzieren, ohne die Hüfte ruhigzustellen
- Physiotherapie: ein betreutes, schrittweise gesteigertes Programm für Rumpf- und Hüftmuskulatur und Bewegungskontrolle (Physiotherapie)
- Schmerzmittel: entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen zeitlich begrenzt, nach Absprache
- Arthroskopie: wenn Beschwerden trotz konservativer Behandlung anhalten und die Bildgebung Schäden an Labrum oder Knorpel zeigt; dabei werden Knochenvorsprung und Pfannenrand abgetragen und das Labrum genäht. In der britischen FASHIoN-Studie mit 348 Personen besserten sich beide Gruppen; die Arthroskopie war der betreuten Physiotherapie nach zwölf Monaten im Schnitt um 6,8 Punkte auf einer 100-Punkte-Skala überlegen, bei mehr Nebenwirkungen
- Keine Operation ohne Beschwerden: eine auffällige Knochenform ohne Symptome wird nicht behandelt
Kann TCM ergänzend helfen?
Zur Akupunktur beim Hüftimpingement haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden; die einzige Veröffentlichung ist ein Fallbericht, in dem Elektroakupunktur Teil eines Pakets aus manueller Therapie und Training war, was keine Wirkaussage erlaubt. Ergebnisse zur Akupunktur bei Hüftarthrose lassen sich nicht übertragen. Ein ergänzender Versuch zur Schmerzlinderung, etwa um das Übungsprogramm leichter durchzuhalten, kann besprochen werden, wenn die Diagnose steht. Die Knochenform verändert Akupunktur nicht, ein gerissenes Labrum näht sie nicht, und eine fachärztlich empfohlene Operation ersetzt sie nicht. Belastungssteuerung und Physiotherapie bleiben die Grundlage.
Wann zeitnah abklären?
- Sofort in die Notfallstation (bei Gehunfähigkeit Notruf 144): Sturz oder Unfall mit Leistenschmerz, Belasten unmöglich oder Bein verkürzt und nach aussen gedreht (möglicher Bruch)
- Noch heute ärztlich (Hausärztin, Notfallpraxis oder Notfallstation): plötzlich blockierte Hüfte; Fieber mit heissem, geschwollenem Gelenk oder starkem Krankheitsgefühl (mögliche Gelenkinfektion); Hüft- oder Knieschmerz mit Hinken bei Kindern und Jugendlichen (Erkrankungen des wachsenden Hüftkopfs)
- Zeitnah in die Sprechstunde: wiederholtes Wegknicken; Taubheit oder Schwäche im Bein; Leistenschmerz, der nach sechs Wochen angepasster Belastung nicht besser wird
Nächster Schritt
Nach Sturz mit Belastungsunfähigkeit oder bei Fieber mit heissem Gelenk sofort in die Notfallstation. Sonst lass bewegungsabhängigen Leistenschmerz orthopädisch untersuchen und starte mit einem betreuten Übungsprogramm. Für einen ergänzenden Behandlungsversuch nach der Abklärung findest du über den Praxisfinder eine Praxis.
Häufige Fragen
Mein Röntgenbild zeigt eine Cam-Form, aber ich habe keine Schmerzen. Muss ich etwas tun?
Nein. Eine Cam- oder Pincer-Form ohne Beschwerden ist ein Befund, kein Syndrom. Behandelt wird erst, wenn Beschwerden, Untersuchung und Bild zusammenpassen.
Ist das dasselbe wie ein Impingement der Schulter?
Nein. An der Schulter werden Sehnen und Schleimbeutel unter dem Schulterdach eingeengt. An der Hüfte stösst Knochen an Knochen, und Labrum und Knorpel geraten dazwischen. Beides wird verschieden untersucht und behandelt.
Muss ein Hüftimpingement operiert werden?
Nicht grundsätzlich. Erster Schritt sind angepasste Belastung und ein betreutes Übungsprogramm. Eine Arthroskopie wird erwogen, wenn Beschwerden anhalten und die Bildgebung Schäden an Labrum oder Knorpel zeigt. Ob sie spätere Gelenkschäden verhindert, ist nicht abschliessend belegt.
Quellen
- AAOS OrthoInfo: Femoroacetabular Impingement
- Griffin et al. 2016: The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome), British Journal of Sports Medicine
- Griffin et al. 2018: Hip arthroscopy versus best conservative care for the treatment of femoroacetabular impingement syndrome (UK FASHIoN), The Lancet
