Sehnenscheidenentzündung – wenn jede Bewegung zieht
Eine Sehnenscheidenentzündung entsteht fast immer durch Überlastung, typisch am Handgelenk durch Maus, Tastatur oder Smartphone. Das Wichtigste zuerst: Entlastung. Ohne Pause für die gereizte Sehne hilft keine Behandlung nachhaltig, auch keine Akupunktur. Mit konsequenter Schonung heilt sie meist in zwei bis sechs Wochen.
Sehnen gleiten in Hüllen, den Sehnenscheiden. Bei ständig wiederholten Bewegungen reibt die Sehne in ihrer Hülle, das Gewebe reizt sich und entzündet sich: Tendovaginitis. Typische Zeichen sind ziehende oder stechende Schmerzen bei Bewegung, Druckempfindlichkeit, manchmal Schwellung und ein spürbares Reiben oder Knirschen. Am häufigsten trifft es Handgelenk und Unterarm (der bekannte Mausarm) und die Daumenseite des Handgelenks (Tendovaginitis de Quervain, oft bei frischgebackenen Müttern durch das ständige Anheben des Babys), seltener Ellbogen, Schulter oder Fussgelenk. Eine Sonderform ist der schnellende Finger, bei dem die Sehne in der Hülle hakt.
Typische Beschwerden
Häufige Lokalisationen
- Handgelenk / Daumen: De-Quervain-Tendovaginitis – Mütter, Büroarbeit.
- Finger: Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans).
- Schulter: Rotatorenmanschette, Bizepssehnenscheide.
- Knie: Patellasehne (Patellaspitzensyndrom).
- Achillessehne: Sport, Laufen.
Ursachen
Repetitive Belastung ist der Klassiker: Bildschirmarbeit mit Maus und Tastatur, der Smartphone-Daumen, Instrumente, Handwerk, Klettern, Rudern, Tennis. Dazu kommen ungewohnte neue Belastungen wie ein Umzug oder ein neues Training, eine ungünstige Handgelenksposition am Arbeitsplatz und hormonelle Faktoren, etwa in Schwangerschaft und Stillzeit. Selten stecken rheumatische Erkrankungen oder, als Notfall, eine bakterielle Infektion dahinter.
Behandlung: Schulmedizin zuerst
Die Basis ist unbequem, aber alternativlos: die auslösende Bewegung reduzieren oder pausieren. Dazu je nach Befund eine Schiene oder Bandage zur Ruhigstellung, entzündungshemmende Medikamente für kurze Zeit, Kühlung in der akuten Phase und vor allem Ergonomie am Arbeitsplatz, also Mausposition, Handballenauflage und Pausenrhythmus, damit es nicht chronisch wird oder wiederkommt. Hilft das über Wochen nicht, kommen Handtherapie, eine Kortison-Infiltration oder in hartnäckigen Fällen ein kleiner Eingriff infrage, bei dem die enge Sehnenscheide gespalten wird.
Was Akupunktur und TCM beitragen können, ehrlich
Speziell für Sehnenscheidenentzündungen ist die Beleglage zur Akupunktur dünn; die vorhandenen Studien betreffen fast nur die Form am Daumen. Was sie zeigen und was nicht, steht im Artikel Akupunktur bei Sehnenscheidenentzündung. Das sagen wir dir so direkt.
Realistisch einsetzbar ist Akupunktur bei uns zur Schmerzlinderung während der Heilungsphase, bei muskulären Verkettungen in Unterarm, Schulter und Nacken (dort setzt oft Tuina an, aber nicht direkt auf der akut entzündeten Stelle) und wenn Beschwerden trotz Entlastung chronisch geworden sind. Was Akupunktur nicht kann: die Entzündung wegzaubern, während du weiter acht Stunden am Tag die gleiche Mausbewegung machst. Entlastung und Ergonomie bleiben Teil des Plans, sonst behandeln wir gegen deinen Alltag an. Wenn eher Nacken und Schultern der Ausgangspunkt sind, findest du mehr auf unserer Seite zu Nackenschmerzen.
Selbsthilfe
- Bewegungspausen alle 30 bis 45 Minuten
- Handgelenk in Neutralposition bringen: Maus näher zum Körper, Handballenauflage testen
- Akut kühlen statt wärmen
- Sanfte Dehnung erst, wenn der akute Schmerz abklingt
- Smartphone zwischendurch in die andere Hand nehmen
Wann zur Ärztin
Sofort bei starker Schwellung mit Rötung und Überwärmung, Fieber oder Schüttelfrost oder heftigem Schmerz nach einer Verletzung oder Wunde an der Hand: Eine bakterielle Sehnenscheidenentzündung ist ein Notfall, der rasch behandelt werden muss. Ausserdem abklären lassen: Taubheit oder Kribbeln in den Fingern zur Abgrenzung vom Karpaltunnelsyndrom, Beschwerden, die trotz konsequenter Entlastung nach vier bis sechs Wochen nicht besser werden, und wiederkehrende Entzündungen ohne klare Ursache.
Kosten und Krankenkasse
Die Behandlung läuft über die Zusatzversicherung. Bei EMR- oder ASCA-anerkannten Therapeutinnen beteiligen sich viele Zusatzversicherungen mit 80 bis 100 Prozent, die Grundversicherung deckt es nicht. Details findest du auf unserer Seite zur Krankenkasse.

