Eine TCM-Praxis eröffnen: Was vor dem ersten Patienten geklärt sein muss
Die meisten Praxen scheitern nicht an der Therapie, sondern an Entscheidungen, die vor dem ersten Termin fallen. Diese Checkliste ordnet sie in eine sinnvolle Reihenfolge.
Das Wichtigste
- Anerkennung und kantonale Bewilligung zuerst klären, dann erst Räume suchen.
- Den Raum nach realistischer Nachfrage wählen, nicht nach Verfügbarkeit.
- Fixkosten, Terminannahme und Sichtbarkeit müssen vor der Eröffnung stehen.
- Die ersten 90 Tage sind ein Test, ob Nachfrage da ist, nicht der Beweis, dass sie fehlt.
Allgemeine Orientierung, keine Rechts- oder Behördenberatung. Bewilligungen und Anforderungen unterscheiden sich je nach Kanton und Methode. Prüfe Details immer bei der zuständigen Stelle.
1. Qualifikation und Anerkennung
Bevor du über Räume nachdenkst: Welche Methoden willst du anbieten, und welche Abschlüsse und Anerkennungen hast du dafür? Davon hängt ab, welche Bewilligung du brauchst und ob Patient:innen über eine Zusatzversicherung abrechnen können.
- Abschlüsse und Diplome vollständig und übersetzt, wo nötig
- Methodenliste klar: Akupunktur, Tuina, Kräuter, weitere
- Nachweise für Weiterbildungen gesammelt
2. Kanton und Berufsausübungsbewilligung (BAB)
Ob und welche kantonale Bewilligung nötig ist, entscheidet der Kanton, in dem du praktizierst. Die Regeln sind nicht einheitlich. Wie unterschiedlich das in der Praxis wirken kann, beschreibt das OUCH.-Magazin in der Kantons-Lotterie. Für deine Planung heisst das: Bewilligungsfrage früh stellen, weil sie Zeitplan und Standortwahl beeinflussen kann.
3. EMR, ASCA und ZSR, wo relevant
Viele Patient:innen fragen zuerst, ob ihre Zusatzversicherung zahlt. Dafür sind Registrierungen wie EMR oder ASCA und eine ZSR-Nummer relevant. Welche Stelle welche Anforderungen stellt, ist ein eigenes Thema; die kritische Einordnung dazu steht im EMR/ASCA-Labyrinth. Plane die Registrierung vor der Eröffnung ein, damit du nicht mit einer Praxis startest, deren Leistungen niemand zurückerstattet bekommt.
4. Bevor du einen Mietvertrag unterschreibst
- Laufzeit und Kündigungsfristen: Wie lange bindest du dich?
- Nutzung als Praxis erlaubt? Nebenkosten und Anpassungen geklärt?
- Erreichbarkeit mit ÖV, Parkplätze wo relevant, barrierearmer Zugang
- Kaution und Einrichtung in der Liquidität eingeplant
5. Raumgrösse gegen tatsächliche Nachfrage
Ein zweiter oder dritter Raum ist nur dann ein Vorteil, wenn er gefüllt wird. Leere Räume kosten jeden Monat Miete. Die Faustregel aus unserem Betrieb: Erst Nachfrage, dann Kapazität. Mehr dazu in Standortwahl.
6. Fixkosten
Miete, Versicherungen, Software, Buchhaltung, Telefon und Marketing fallen an, bevor der erste Patient zahlt. Liste sie vollständig auf und rechne, wie viele Behandlungen du brauchst, um sie zu decken. Eine Übersicht der Kostenposten findest du unter Was kostet eine TCM Praxis?, die Rechnung im Praxisrechner.
7. Termine, Telefon und Administration
Wer während der Behandlung ans Telefon muss, verliert entweder den Anruf oder die Konzentration. Kläre vor dem Start: Wie werden Anfragen angenommen, wie schnell wird zurückgerufen, wie werden Termine bestätigt und verschoben?
8. Preise
Deine Preise sollten zu deinen Kosten, deiner Qualifikation und dem lokalen Markt passen. Prüfe, wie Zusatzversicherungen deine Leistungen einordnen, und kommuniziere Preise transparent. Zu tiefe Preise lassen sich später schwer korrigieren.
9. Website, Google und Reviews
Patient:innen suchen lokal. Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, eine klare Website mit Angebot, Preisen und Anfahrt sowie ehrliche Bewertungen sind die Grundlage. Wie daraus Patient:innen werden, erklärt Patienten gewinnen.
10. Die ersten 90 Tage
Die ersten Monate sind ein Nachfragetest. Miss von Anfang an: Wie viele Anfragen kommen, wie viele werden zu Terminen, wie viele Patient:innen kommen wieder? Ohne diese Zahlen weisst du nach drei Monaten nicht, was funktioniert. Die wichtigsten Grössen stehen unter Kennzahlen.
11. Wann eine Anstellung klüger sein kann
Wenn klinische Routine noch fehlt, wenn die Liquidität knapp ist oder wenn dich Administration und Marketing nicht interessieren, kann eine Anstellung der bessere Start sein. Der faire Vergleich: selbstständig oder angestellt.
12. Wann eine Partnerschaft klüger sein kann
Wenn du therapeutisch stark bist und unternehmerisch arbeiten willst, aber nicht jedes System selbst bauen möchtest, gibt es einen dritten Weg: eine eigene lokale Praxis mit einer Plattform, die Nachfrage, Terminannahme und Technologie betreibt. So funktioniert das TCM.ch Partnermodell.
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