Was steckt hinter einer Polyneuropathie?
Bei der Polyneuropathie sind viele periphere Nerven gleichzeitig geschädigt, also jene Leitungen, die Gefühl und Bewegung zwischen Rückenmark und Körper übertragen. Weil die längsten Nerven am empfindlichsten sind, beginnen die Beschwerden fast immer an den Zehen und Fusssohlen und wandern langsam aufwärts, später kommen oft die Fingerspitzen dazu. Typisch ist die strumpfförmige Verteilung: Es fühlt sich an, als trüge man Socken, die niemand ausziehen kann. Je nachdem, welche Fasern betroffen sind, dominiert das Brennen und Stechen der feinen Schmerzfasern oder die Taubheit und Gangunsicherheit der dicken Gefühlsfasern, bei vielen Betroffenen mischt sich beides. Wie schnell sich eine Polyneuropathie entwickelt, ist sehr verschieden: Bei den meisten schleicht sie über Jahre, mit langsam aufsteigenden Beschwerden vom Fuss zum Unterschenkel, rasch aufsteigende Formen innerhalb von Tagen sind selten und ein Notfall. Für die Abklärung misst die Neurologie unter anderem die Nervenleitgeschwindigkeit, sie zeigt, welche Fasern betroffen sind und wie stark. Bring diese Befunde zum ersten Termin mit, sie helfen uns, die Behandlung richtig einzuordnen.
Die häufigsten Ursachen in der Schweiz sind Diabetes (diabetische Neuropathie), langjähriger Alkoholkonsum, Vitaminmangel (besonders B12), Chemotherapien und Nierenerkrankungen. Bei einem beachtlichen Teil der Betroffenen findet sich trotz gründlicher Abklärung keine Ursache, die idiopathische Polyneuropathie. Für viele Betroffene ist frustrierend, dass die Schulmedizin nach der Ursachenbehandlung vor allem Medikamente gegen Nervenschmerzen anbietet, die oft müde machen oder nicht ausreichend wirken. Wer seine Polyneuropathie natürlich behandeln oder zumindest ergänzend etwas tun möchte, landet deshalb häufig bei der Akupunktur, genau in dieser Lücke arbeiten wir.
Häufige Ursachen
Diabetes. Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die feinen Nervenfasern, die diabetische Neuropathie ist die häufigste Form. Gute Blutzuckereinstellung ist die Basis jeder Behandlung.
Alkohol. Regelmässiger Konsum wirkt direkt nervenschädigend und verdrängt zudem B-Vitamine.
Chemotherapie. Bestimmte Zytostatika verursachen eine Neuropathie, die während oder nach der Therapie auftritt und die Lebensqualität stark drücken kann.
Vitaminmangel. Vor allem B12-Mangel, häufiger bei veganer Ernährung, Magenerkrankungen oder bestimmten Medikamenten.
Unklare Ursache. Bei der idiopathischen Form bleibt die Suche ergebnislos, die Beschwerden sind trotzdem real und behandelbar.
Häufige Symptome
Wenn deine Beschwerden bisher nur einzelne Finger betreffen, passt das eher zu einem örtlichen Nervenengpass. Was die Verteilung verrät, steht unter Einzelne Finger taub.
An den Füssen zeigt sich die Nervenbeteiligung oft zuerst nachts: Das Muster Brennende Füsse nachts erklären wir einzeln.
Wann du ärztlich abklären solltest
Jede Polyneuropathie gehört neurologisch abgeklärt, denn hinter den Symptomen können behandelbare Ursachen stecken: Diabetes, B12-Mangel, Schilddrüse, Medikamente. Zügig abklären bei rasch fortschreitenden Ausfällen, Lähmungen oder wenn die Beschwerden innerhalb von Tagen aufsteigen. Die TCM ergänzt die neurologische Betreuung und die Ursachenbehandlung, sie ersetzt beides nicht.
Wie die TCM bei Polyneuropathie begleiten kann
Eine Polyneuropathie behandeln heisst für uns: dort ansetzen, wo die Beschwerden den Alltag stören, Brennen, Missempfindungen, Schlaf und Gangsicherheit. Bei ausgeprägter Taubheit oder empfindlicher Haut passen wir die Nadelung an, behandelt wird so, dass es für dich gut tragbar ist.
- Akupunktur wird bei Polyneuropathie zunehmend untersucht. Eine Metaanalyse fand Hinweise auf einen Nutzen unter anderem bei diabetischer Neuropathie (Dimitrova et al., J Altern Complement Med, 2017, PMID 28112552), auch bei der chemotherapiebedingten Neuropathie wird Akupunktur zunehmend eingesetzt und erforscht. Behandelt wird lokal an Füssen und Beinen sowie an Fernpunkten. Viele beschreiben nach einigen Wochen zuerst ruhigere Abende, das Brennen flammt später und schwächer auf.
- Elektroakupunktur ergänzt bei ausgeprägtem Brennen und Stechen, Frequenzen und Grenzen erklären wir separat, die Nervenschmerzen an den Füssen sprechen darauf oft besser an als auf Nadeln allein. Die Stromstärke bleibt stets unterhalb der Schmerzgrenze, du spürst ein feines Pulsieren.
- Moxibustion wärmt Füsse und Unterschenkel, viele Betroffene mit kalten, tauben Füssen empfinden das als besonders wohltuend. Die Wärmebehandlung lässt sich problemlos zuhause fortführen, wir zeigen dir genau, wie und an welchen Stellen.
- Kräutertherapie unterstützt die Versorgung und Durchblutung, abgestimmt auf Grunderkrankung und Medikamente. Bei Chemotherapie gilt eine klare Regel: Rezepturen nur in Abstimmung mit der Onkologie, während der Infusionsphasen arbeiten wir meist nur mit Nadeln und Wärme.
- Tuina und Fussarbeit fördern Durchblutung und Körperwahrnehmung, ein Baustein für mehr Gangsicherheit. Das Training der Fusswahrnehmung senkt nebenbei das Sturzrisiko, gerade bei unsicherem Gang ein zentraler Punkt, und lässt sich mit einfachen Übungen zuhause fortsetzen.
Bleiben Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose zurück, findest du mehr auf unserer Seite zu Gürtelrose. Anfallsartig weisse, kalte Finger sind ein anderes Bild, mehr dazu auf unserer Seite zum Raynaud-Syndrom.
Was du selbst tun kannst
- Grundursache konsequent behandeln, beim Diabetes ist der Blutzucker der wichtigste Hebel
- Alkohol deutlich reduzieren oder weglassen
- Füsse täglich anschauen, bei Taubheit bleiben Verletzungen sonst unbemerkt
- Barfuss-Gehen auf sicherem Untergrund und Fussgymnastik für die Wahrnehmung
- Gutes Schuhwerk, nachts Zehen frei, Wechselduschen für die Durchblutung
TCM-Diagnose: So läuft die Erstkonsultation ab
Wir gehen Befunde und Ursachenabklärung durch und klären, wie sich die Missempfindungen genau anfühlen, brennend, kalt, elektrisierend, und was Schlaf und Gehstrecke machen. Die klassischen Untersuchungen der Chinesischen Medizin, die Betrachtung der Zunge und das Tasten des Pulses, ergänzen das Bild und zeigen, welches Muster hinter deinen Beschwerden steht. Daraus entsteht dein individueller Behandlungsplan mit klaren Messpunkten: Brennen in Ruhe, Nachtschlaf, Gangsicherheit. Plane für den ersten Termin rund 60 Minuten ein.
Wie eine Behandlung abläuft
Polyneuropathie ist chronisch, entsprechend planen wir längerfristig: Akupunktur ein- bis zweimal pro Woche über 10 bis 12 Sitzungen, dann ehrliche Zwischenbilanz. Nerven regenerieren langsam, oft bessern sich zuerst Brennen und Schlaf, die Taubheit reagiert am trägsten. Schmerzmedikamente laufen parallel weiter und werden nur ärztlich angepasst.
Kosten und Krankenkasse
Die Behandlung läuft über die Zusatzversicherung. Bei EMR- oder ASCA-anerkannten Therapeutinnen beteiligen sich viele Zusatzversicherungen mit 80 bis 100 Prozent, die Grundversicherung deckt es nicht. Details findest du auf unserer Seite zur Krankenkasse.



